Trappistenbiere

Vor allem die belgischen Klöster haben die eigene, mittelalterliche Bierkultur einerseits bewahrt, aber auch andererseits moderne Varianten ihrer Bierstile entwickelt. Unter diesen sogenannten Abteibieren spielen die Trappistenbiere eine besondere Rolle. Deren Orden ging aus einer Abspaltung der Zisterzienser hervor, die wiederum aus dem Benediktinerorden entstanden sind. Deren Grundsatz „ora et labora et lege“ (bete, arbeite und lies) pflegen auch die in Abgeschiedenheit und Askese lebenden Trappisten und verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit. Neben Käse und Marmeladen gehören auch Biere zu deren Produkten, die wiederum zu den besten der Welt zählen.

Aufgrund der Kriege infolge der Französischen Revolution geriet das Gebiet des heutigen Belgiens unter die Kontrolle des westlichen Nachbarlandes und alle Klöster wurden aufgelöst. Nach der belgischen Unabhängigkeit 1830 folgten deren Wiedergründungen, doch erst ein Jahrhundert später wurde in allen Trappistenabteien wieder Bier gebraut. Als diese nach dem Zweiten Weltkrieg begannen, ihre Biere auch auf dem freien Markt anzubieten, rief der große Erfolg einige Trittbrettfahrer auf den Plan, wogegen die Abtei Orval schließlich 1962 einen Schutz durch die belgische Handelskammer durchsetzen konnte. Ein echtes Trappistenbier erkennt man seitdem an einem sechseckigen Symbol auf dem Etikett mit der Inschrift „Authentic Trappist Product“.

Mittels dieses Gütesiegels ist gewährleistet, dass das Bier in einem Kloster oder seiner direkten Umgebung unter Aufsicht der Mönche hergestellt worden ist. Die sieben ursprünglichen der heutigen zwölf Trappistenbrauereien liegen in Belgien und den Niederlanden, allerdings kamen in letzter Zeit internationale Neu- bzw. Wiedergründungen hinzu. Für ihre Biere verwenden die Mönche das alte Schema der belgischen Bierwelt. Neben dem einfachen Blond (hell) gibt es ein stärkeres Dubbel (dunkel) und ein noch kräftigeres Tripel (hell). Daneben gibt es noch stärker eingebraute Varianten des Dubbels, die gerne als Quadrupel bezeichnet werden, und ganz eigenständige Biere wie beispielsweise das Orval.

Letzteres entsteht in drei Schritten: Bei der Hauptgärung mit obergäriger Hefe geben die Mönche flüssigen Kandiszucker hinzu, für die Nachgärung benutzen sie einen Cocktail von zehn verschiedenen Hefestämmen, darunter die wilde Brettanomyces-Hefe, bevor das Bier bei der Abfüllung in Flaschen erneut eine Kandiszuckergabe erhält. Die Nachgärung erhöht den Alkoholgehalt in der Flasche weiter und gibt dem Bier ein spannendes, vielfältiges Aroma, das je nach Alter stark schwankt.

Am seltensten und für viele auch am besten ist das Westvleteren-Bier der Sankt-Sixtus-Abtei in Vleteren. Abgesehen von gelegentlichen Chargen, die auf Umwegen bei Händlern landen, wird der Gerstensaft direkt über ein „Biertelefon“ der Abtei (+32 7021 00 45) vertrieben. Der Glückliche, der durchgekommen ist, nennt dem Mönch am anderen Ende der Leitung sein Kfz-Kennzeichen und erhält ein Datum und eine Uhrzeit, zu der er mit dem Auto vorbeikommen darf, um maximal zwei Kisten à 24 Flaschen zu erstehen. Es ist dabei dem Zufall oder Schicksal überlassen, welche der drei Sorten des Trappistenbieres gerade verfügbar ist. Kunden müssen ihr Ehrenwort geben, das Bier nicht weiterzuverkaufen. Gerade das stärkste Westvleteren-Bier, das Quadrupel mit der lateinischen Ziffer 12 (XII) auf dem Kronkorken, ist besonders beliebt und gilt seit 2005 in zahlreichen Rankings als bestes Bier der Welt.

Über dunkle Kanäle gelangen immer wieder kleine Mengen in den deutschen Bierhandel, wo die 0,33 l-Flasche dann über 20 Euro kosten kann, mehr als das Zehnfache des Preises in der Abtei. Übrigens stellen die Brauer in der Sankt-Sixtus-Abtei ihre beiden stärksten Biere wie früher aus einer Maische her. Der erste Guss ergibt das Westvleteren 12, der zweite das Westvleteren 8. Früher stellten sie mit einem dritten Guss noch ein Westvleteren 6 her, das heute als Westvleteren Blond aber mit hellem statt dunklem Malz als eigenes Bier für den Konsum in der Abtei ausgeschenkt wird.

Nicht in jeder Abtei werden alle Bierstile gebraut, manche stellen nur ein einziges Bier her. Die Bezeichnungen Dubbel und Tripel rühren von der mittelalterlichen Praxis, die Fässer nach dem Befüllen mit Kreide zu kennzeichnen, damit nachvollziehbar blieb, welches Bier sich darin befand. Nachdem ein Großteil der Bevölkerung Analphabeten war, machten die Brauer einfach Kreuze auf das Holz. Zwei Kreuze meinten ein im Verhältnis zum normalen Bier stärkeres Gebräu, drei Kreuze ein nochmals kräftigeres Getränk. Im Volksmund ist daraus „Dubbel“ und „Tripel“ geworden. Das „Quadrupel“ ist eine Neuschöpfung für dunkle Starkbiere mit mehr als 10% Alkoholgehalt, erstmals verwendet für das stärkste Bier der Abtei La Trappe. Andere Bezeichnungen für solche Biere sind „Grand Cru“ oder „Belgian Strong Ale“.

Autor: Markus Raupach

Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier

Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015

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