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Die Geschichte des Mild Ale

Die Wurzeln des Mild Ale liegen in den Ursprüngen des Brauens für den Hausgebrauch. Damals unterschieden die Bürger drei Biere: „Mild Ale“, „Old Ale“ und „Stock Ale“. Die Begriffe gehören zu den ältesten, für Bier genutzten Worten der englischen Biergeschichte. Dementsprechend ist das Mild Ale eng mit dem ältesten Bierstil der Insel, dem Brown Ale, verbunden. Schon Plinius der Jüngere beschrieb das Bier der britischen Kelten, „curmi“ genannt. Statt des erst später für Bier verwendeten Hopfens nutzten die Brauer damals Rosmarin, Schafgarbe und die immergrüne Moormyrte.

Als die Angeln, Sachsen, Jüten und Dänen im 4. und 5. Jahrhundert die Britischen Inseln besiedelten, brachten sie einen großen Bierdurst mit – und auch ihre Sprache. Sie nannten Bier „öl“, woraus sich das heutige Wort „Ale“ entwickelte. Als die Normannen 1066 nach England kamen, waren sie erstaunt, eine gut entwickelte Bierwelt vorzufinden. In ihren Inventarlisten, die zum Zweck der Besteuerung niedergeschrieben wurden, finden sich zahlreiche private Brauereien unterschiedlicher Größe. Doch so professionell die Strukturen waren, so unprofessionell waren deren Produkte. Die Brauer übten das seit Jahrhunderten tradierte Handwerk aus, ohne Wissen um Hygiene und die Hintergründe des Brauprozesses. Auch die Rohstoffe waren eher minderer Qualität und schwankten in Geschmack und Verfügbarkeit deutlich. Selbst das Wasser war oft verunreinigt und konnte lediglich mithilfe von Seife auf die Wasserhärte getestet werden (schäumte es, war es weich, schäumte es nicht, war es hart). Das Getreide wurde über offenem Holz-, Stroh- oder Torf-Feuer getrocknet, wodurch es einerseits einen rauchigen Charakter hatte und andererseits dem Bier mindestens eine dunkelbraune, wenn nicht gar schwarze Farbe gab.

Die erste Erwähnung des Begriffes „Mild Ale“ findet sich in einem Pachtvertrag aus dem späten zwölften Jahrhundert. Damals kostete ein Anwesen bei Sempringham in Wales für ein Jahr folgende Pacht: „1 Horse, 30 Shillings, 15 mittan of Clear Ale, 5 mittan of Welsh Ale, and 15 sesters of Mild Ale“. Mit dem Clear und Welsh Ale dürften gelagerte Starkbiere gemeint gewesen sein, die in Holzfässern eine zweite, von Brettanomyces und Milchsäurebakterien gesäuerte Gärung durchlaufen hatten. Das Mild Ale hingegen war relativ frisch und weitestgehend frei von Säure. Der zeitnahe Konsum des Bieres war wichtig; denn dadurch, dass in den Brauereien bis in die moderne Zeit viele Gefäße und Gegenstände aus Holz Verwendung fanden – nicht zuletzt auch hölzerne Kühlschiffe – , war die Würze so gut wie immer mit wilden Hefen und Bakterien infiziert, die im Laufe der Zeit grundsätzlich ihre Wirkung entfalteten, auch wenn es nicht zu einer zweiten Gärung im Holzfass kam.

Als Lösung brauten die Brauer sehr starke Biere, die dank ihres Alkoholgehalts widerstandsfähiger gegen Bakterienbefall waren, und teilten den Sud in verschiedene Güsse auf. Die ersten, stärksten, wurden in Holzfässern vergoren und gelagert, während die letzten, immer noch relativ kräftigen Güsse für den sofortigen Verbrauch vergoren wurden. Diese waren die „Mild Ales“, dürften allerdings aufgrund der bestehenden Infektion schon zu Beginn des Konsums einen leicht säuerlichen Geschmack gehabt haben, der noch deutlich zunahm, bevor die jeweiligen Fässer ausgetrunken waren. Gerne mischten die Wirte auch die verschiedenen Biere und Altersstufen, um insgesamt ein gefälligeres Ergebnis zu erzielen. Als Biergewürze dienten u.a. Anis und Ingwer, bis im 16. Jahrhundert der Hopfen das Bier eroberte.

Mit der Ankunft des Porters auf den Märkten um 1720 änderte sich auch die Begriffsdefinition. War „Ale“ anfangs die Bezeichnung der traditionellen, nicht gehopften vergorenen Malzgetränke, bezeichnete „Beer“ die gehopfte Variante. Spätestens um 1800 waren jedoch alle Biere gehopft, und die alten „Ales“ vom Markt verschwunden. Die Bevölkerung nutzte nun das Wort „Beer“ für die neuen Bierstile „Porter“ und „Stout“, wohingegen die klassischen Braunbiere und die ebenfalls neuen hellen „Pale“ Biere als „Ales“ bezeichnet wurden. „Mild“ etablierte sich dabei als Synonym für „Ale“, wie man auf den alten Pub-Werbeschildern lesen konnte: „Pale, Mild, Porter and Stout“.

Mit der Zeit wurde „Mild“ der Begriff für die Biere mit dem geringsten Alkoholgehalt, und im Zuge des zunehmenden Einflusses der Mäßigungsbewegung immer beliebter. Tranken die Briten um 1860 noch zu 75% Porter in den Pubs, teilten sich zehn Jahre später Mild Ale und Porter den Konsum. In der Folge wurde das Mild Ale immer beliebter, näherte sich allerdings vom Alkoholgehalt dem Porter an und übertraf es teilweise sogar darin. Von 1905 ist die Beschreibung der englischen Bierwelt wie folgt überliefert: „…they may be divided into strong, medium and light. In the strong, we may include stock oder old ales, and heavier stouts. The medium, comprises the lighter stouts, superior bitter beers, mild or four (pence) ale, which the latter is still the beverage of the working classes, and porter. The light beers… A good example of this type of beer is the so-called „family ale“, and cheap kinds of bottled bitter beers and porters.“

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Biere generell alkoholärmer, sei es, um günstiger produzieren zu können, oder weil die Verbraucher das nachfragten. Um 1920 trennte die Newcastle-Brauerei ihr stärkeres „Brown Ale“ von den anderen, weiterhin als „Mild Ale“ verkauften Braunbieren. Der große Erfolg dieses Revivals des Brown Ale sorgte dafür, dass viele Brauereien nach und nach ihre Mild Ales in Brown Ales umtauften, um an dem großen Run teilzuhaben. Der Begriff verschwand nach und nach von der Bildfläche. Heute sind nur noch 4% des in den Pubs verkauften Bieres „Mild Ales“. Doch mit CAMRA und der Craft Bier Bewegung, die auch England erfasst hatte, startete auch eine Wiederbelebung des Mild Ale.

Autor: Markus Raupach

Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier

Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015

copyright © Bier-Deluxe GmbH

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Die Geschichte des Mild Ale

Die Wurzeln des Mild Ale liegen in den Ursprüngen des Brauens für den Hausgebrauch. Damals unterschieden die Bürger drei Biere: „Mild Ale“, „Old Ale“ und „Stock Ale“. Die Begriffe gehören zu den ältesten, für Bier genutzten Worten der englischen Biergeschichte. Dementsprechend ist das Mild Ale eng mit dem ältesten Bierstil der Insel, dem Brown Ale, verbunden. Schon Plinius der Jüngere beschrieb das Bier der britischen Kelten, „curmi“ genannt. Statt des erst später für Bier verwendeten Hopfens nutzten die Brauer damals Rosmarin, Schafgarbe und die immergrüne Moormyrte.

Als die Angeln, Sachsen, Jüten und Dänen im 4. und 5. Jahrhundert die Britischen Inseln besiedelten, brachten sie einen großen Bierdurst mit – und auch ihre Sprache. Sie nannten Bier „öl“, woraus sich das heutige Wort „Ale“ entwickelte. Als die Normannen 1066 nach England kamen, waren sie erstaunt, eine gut entwickelte Bierwelt vorzufinden. In ihren Inventarlisten, die zum Zweck der Besteuerung niedergeschrieben wurden, finden sich zahlreiche private Brauereien unterschiedlicher Größe. Doch so professionell die Strukturen waren, so unprofessionell waren deren Produkte. Die Brauer übten das seit Jahrhunderten tradierte Handwerk aus, ohne Wissen um Hygiene und die Hintergründe des Brauprozesses. Auch die Rohstoffe waren eher minderer Qualität und schwankten in Geschmack und Verfügbarkeit deutlich. Selbst das Wasser war oft verunreinigt und konnte lediglich mithilfe von Seife auf die Wasserhärte getestet werden (schäumte es, war es weich, schäumte es nicht, war es hart). Das Getreide wurde über offenem Holz-, Stroh- oder Torf-Feuer getrocknet, wodurch es einerseits einen rauchigen Charakter hatte und andererseits dem Bier mindestens eine dunkelbraune, wenn nicht gar schwarze Farbe gab.

Die erste Erwähnung des Begriffes „Mild Ale“ findet sich in einem Pachtvertrag aus dem späten zwölften Jahrhundert. Damals kostete ein Anwesen bei Sempringham in Wales für ein Jahr folgende Pacht: „1 Horse, 30 Shillings, 15 mittan of Clear Ale, 5 mittan of Welsh Ale, and 15 sesters of Mild Ale“. Mit dem Clear und Welsh Ale dürften gelagerte Starkbiere gemeint gewesen sein, die in Holzfässern eine zweite, von Brettanomyces und Milchsäurebakterien gesäuerte Gärung durchlaufen hatten. Das Mild Ale hingegen war relativ frisch und weitestgehend frei von Säure. Der zeitnahe Konsum des Bieres war wichtig; denn dadurch, dass in den Brauereien bis in die moderne Zeit viele Gefäße und Gegenstände aus Holz Verwendung fanden – nicht zuletzt auch hölzerne Kühlschiffe – , war die Würze so gut wie immer mit wilden Hefen und Bakterien infiziert, die im Laufe der Zeit grundsätzlich ihre Wirkung entfalteten, auch wenn es nicht zu einer zweiten Gärung im Holzfass kam.

Als Lösung brauten die Brauer sehr starke Biere, die dank ihres Alkoholgehalts widerstandsfähiger gegen Bakterienbefall waren, und teilten den Sud in verschiedene Güsse auf. Die ersten, stärksten, wurden in Holzfässern vergoren und gelagert, während die letzten, immer noch relativ kräftigen Güsse für den sofortigen Verbrauch vergoren wurden. Diese waren die „Mild Ales“, dürften allerdings aufgrund der bestehenden Infektion schon zu Beginn des Konsums einen leicht säuerlichen Geschmack gehabt haben, der noch deutlich zunahm, bevor die jeweiligen Fässer ausgetrunken waren. Gerne mischten die Wirte auch die verschiedenen Biere und Altersstufen, um insgesamt ein gefälligeres Ergebnis zu erzielen. Als Biergewürze dienten u.a. Anis und Ingwer, bis im 16. Jahrhundert der Hopfen das Bier eroberte.

Mit der Ankunft des Porters auf den Märkten um 1720 änderte sich auch die Begriffsdefinition. War „Ale“ anfangs die Bezeichnung der traditionellen, nicht gehopften vergorenen Malzgetränke, bezeichnete „Beer“ die gehopfte Variante. Spätestens um 1800 waren jedoch alle Biere gehopft, und die alten „Ales“ vom Markt verschwunden. Die Bevölkerung nutzte nun das Wort „Beer“ für die neuen Bierstile „Porter“ und „Stout“, wohingegen die klassischen Braunbiere und die ebenfalls neuen hellen „Pale“ Biere als „Ales“ bezeichnet wurden. „Mild“ etablierte sich dabei als Synonym für „Ale“, wie man auf den alten Pub-Werbeschildern lesen konnte: „Pale, Mild, Porter and Stout“.

Mit der Zeit wurde „Mild“ der Begriff für die Biere mit dem geringsten Alkoholgehalt, und im Zuge des zunehmenden Einflusses der Mäßigungsbewegung immer beliebter. Tranken die Briten um 1860 noch zu 75% Porter in den Pubs, teilten sich zehn Jahre später Mild Ale und Porter den Konsum. In der Folge wurde das Mild Ale immer beliebter, näherte sich allerdings vom Alkoholgehalt dem Porter an und übertraf es teilweise sogar darin. Von 1905 ist die Beschreibung der englischen Bierwelt wie folgt überliefert: „…they may be divided into strong, medium and light. In the strong, we may include stock oder old ales, and heavier stouts. The medium, comprises the lighter stouts, superior bitter beers, mild or four (pence) ale, which the latter is still the beverage of the working classes, and porter. The light beers… A good example of this type of beer is the so-called „family ale“, and cheap kinds of bottled bitter beers and porters.“

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Biere generell alkoholärmer, sei es, um günstiger produzieren zu können, oder weil die Verbraucher das nachfragten. Um 1920 trennte die Newcastle-Brauerei ihr stärkeres „Brown Ale“ von den anderen, weiterhin als „Mild Ale“ verkauften Braunbieren. Der große Erfolg dieses Revivals des Brown Ale sorgte dafür, dass viele Brauereien nach und nach ihre Mild Ales in Brown Ales umtauften, um an dem großen Run teilzuhaben. Der Begriff verschwand nach und nach von der Bildfläche. Heute sind nur noch 4% des in den Pubs verkauften Bieres „Mild Ales“. Doch mit CAMRA und der Craft Bier Bewegung, die auch England erfasst hatte, startete auch eine Wiederbelebung des Mild Ale.

Autor: Markus Raupach

Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier

Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015

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