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Mehr über Gose

Der Herkunftsname „Goslarisch Bier“, kurz „Gose“, übertrug sich auch auf die später in anderen Orten – vor allem in Anhalt - hergestellten Biere derselben Brauart. Der Legende nach war es Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747), der überall auf Reisen „seine Gose“ trinken wollte, und sich bei der Einkehr in Leipzig bitter beschwerte. In den dortigen Schenken war nur das Leipziger Bier erlaubt, und das sagte dem Fürsten gar nicht zu. Er schaffte es 1738, sowohl den Rat der Stadt zu einer Freigabe zu überreden, als auch eine Lieferkette für das Bier einzurichten, und die Leipziger lernten das neue Bier schnell lieben.

Napoleon war es schließlich, der den Nachschub aus dem mit Preußen verbündeten Anhalt zum Erliegen brachte. Doch die Leipziger machten aus der Not eine Tugend. Nach vielen Jahren des Experimentierens startete der gebürtige Bayer Johann Philipp Ledermann in der Döllnitzer Rittergutsbrauerei 1824 schließlich die erste Gosebrauerei in der Nähe der Messestadt. Zwar musste bis 1834 immer noch Zoll entrichtet werden, dennoch eroberte das Bier die Stadt zurück. 21 Gosenschänken stillten bald den Durst der Leipziger, viele weitere Schenken und auch Gose-Brauereien in der Stadt selbst folgten.

Nach dem Krieg passte die „kleinbürgerliche und heimattümelnde“ Gosenkultur nicht in das DDR-Weltbild, Schenken und Brauereien wurden geschlossen, schließlich entstand Gose nur noch in der Wurzler-Brauerei in der Arthur-Hoffmann-Straße. Der letzte Gosenausschank befand sich in der Gaststätte „Zum Herzog Ernst“, gegenüber des Bayerischen Bahnhofes. Mit dem Tod des letzten Gose-Braumeisters, der noch im Besitz der alten Rezeptur aus der Rittergutsbrauerei in Döllnitz war, Guido Pfnister, endete am 17. März 1966 diese spezielle Bier-Tradition in der Messestadt – vorübergehend, wie wir heute wissen. Denn 1985 ließ der Leipziger Hochschullehrer und Designer Lothar Goldhahn in der Weißbierbrauerei des VEB Getränkekombinat Berlin wieder Gose nach alter Rezeptur brauen und öffnete die sanierte „Gosenschenke Ohne Bedenken“ in Leipzig.

Zur Jahrtausendwende begann der Bayerische Bahnhof mit seiner Gosebrauerei. Selbst die Döllnitzer Ritterguts-Gose wurde wiederbelebt. Sie entsteht heute wieder bei der Brauerei Reichenbrander in Chemnitz. Gebraut wird Gose übrigens mit Salz (wenn nicht bereits salzhaltiges Brauwasser vorhanden ist) und Koriander. Eine Milchsäuregärung führt nach der Hauptgärung des obergärigen Weißbieres zu seinem säuerlichen Charakter. Der Bayerische Bahnhof und sein Braumeister stehen mittlerweile international für die Gose, weshalb wir beide kurz vorstellen möchten:

Die Geschichte des Bayerischen Bahnhofs in Leipzig ist primär nicht die Geschichte einer Brauerei. Doch heute steht das Haus wie kein anderes für den Erhalt einer sonst womöglich ausgestorbenen Bier-Spezialität: Der Gose. Besuchern fällt vor allem der riesige Portikus ins Auge. Der denkmalgeschützte Bau erinnert an die Gründungszeit, als der Kopfbahnhof 1842 von der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn-Compagnie in Betrieb genommen wurde. Bis zur Schließung 2001 galt er als ältester betriebener Bahnhof seiner Art. Ab 1912 verkehrten die Schnell- und Eilzüge zwar über den neuen Leipziger Hauptbahnhof, Nah- und Güterverkehr blieben aber. Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten den Ostteil des Bahnhofs, Portikus und Westseite blieben glücklicherweise unversehrt. Nach umfangreichen Renovierungen begann am 19. Juli 2000 mit der Öffnung der „Gasthaus und Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof“ die zweite Blütezeit des Hauses.

Begonnen hatte die Bier-Idee mit Thomas Schneider, in den 1990er Jahren Inhaber der Schneider-Brauerei im mittelfränkischen Weißenburg. Er hörte 1996 zum ersten Mal von dem obergärigen Weißbier namens Gose, das im 17. Jahrhundert von Goslar bis nach Leipzig kam. Der Braumeister stellte erst selbst kleinere Sude dieses Bieres für die Leipziger Gosenschenke „Ohne Bedenken“ her, bis er dann auf die Idee kam, in Leipzig selbst eine Braustätte zu errichten. Die Immobilie des Bayerischen Bahnhofs kam ihm gerade recht, und fertig war das Konzept der Gose-Gasthausbrauerei. Zu Beginn brauten sie 1.000 Hektoliter im Jahr, heute sind es 2.500. 5% davon gehen mittlerweile direkt in die USA, wo sie vor allem rund um New York besonders gerne getrunken werden. Auch ein Gose-Bock namens „Goseator“ und andere Spezialitäten wandern regelmäßig über den Atlantik.

Das Bier-Urgestein an den Sudkesseln ist Braumeister Matthias Richter. Der heute 40-Jährige wollte ursprünglich in eine ganz andere Richtung: „Beleuchter, Tontechniker oder Buchdrucker, das waren meine ersten Ideen“, erzählt er, „dann bin ich plötzlich in der Krostitzer Brauerei gelandet. Und die Passion kam mit dem Beruf.“ Schon während seines anschließenden Studiums an der Berliner VLB arbeitete Richter in der neuen Brauerei am Bayerischen Bahnhof und erarbeitete sich bis heute einen absoluten Expertenstatus rund um das Thema Gose. Vom Starkbier „Goseator“, im Tequila-Fass gereift, bis zur Fichtennadel-Gose gibt es wenig, das Richter mit dem milchsäuerlichen Gewürzbier nicht schon ausprobiert hat. Bierfreunde und Braumeister aus aller Welt geben sich bei ihm die Klinke in die Hand, um sich Informationen, Rat und Hilfe zu holen.

Autor: Markus Raupach

Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier

Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015

copyright © Bier-Deluxe GmbH

Der Herkunftsname „Goslarisch Bier“, kurz „Gose“, übertrug sich auch auf die später in anderen Orten – vor allem in Anhalt - hergestellten Biere derselben Brauart. Der Legende nach war es Fürst... mehr erfahren »
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Der Herkunftsname „Goslarisch Bier“, kurz „Gose“, übertrug sich auch auf die später in anderen Orten – vor allem in Anhalt - hergestellten Biere derselben Brauart. Der Legende nach war es Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747), der überall auf Reisen „seine Gose“ trinken wollte, und sich bei der Einkehr in Leipzig bitter beschwerte. In den dortigen Schenken war nur das Leipziger Bier erlaubt, und das sagte dem Fürsten gar nicht zu. Er schaffte es 1738, sowohl den Rat der Stadt zu einer Freigabe zu überreden, als auch eine Lieferkette für das Bier einzurichten, und die Leipziger lernten das neue Bier schnell lieben.

Napoleon war es schließlich, der den Nachschub aus dem mit Preußen verbündeten Anhalt zum Erliegen brachte. Doch die Leipziger machten aus der Not eine Tugend. Nach vielen Jahren des Experimentierens startete der gebürtige Bayer Johann Philipp Ledermann in der Döllnitzer Rittergutsbrauerei 1824 schließlich die erste Gosebrauerei in der Nähe der Messestadt. Zwar musste bis 1834 immer noch Zoll entrichtet werden, dennoch eroberte das Bier die Stadt zurück. 21 Gosenschänken stillten bald den Durst der Leipziger, viele weitere Schenken und auch Gose-Brauereien in der Stadt selbst folgten.

Nach dem Krieg passte die „kleinbürgerliche und heimattümelnde“ Gosenkultur nicht in das DDR-Weltbild, Schenken und Brauereien wurden geschlossen, schließlich entstand Gose nur noch in der Wurzler-Brauerei in der Arthur-Hoffmann-Straße. Der letzte Gosenausschank befand sich in der Gaststätte „Zum Herzog Ernst“, gegenüber des Bayerischen Bahnhofes. Mit dem Tod des letzten Gose-Braumeisters, der noch im Besitz der alten Rezeptur aus der Rittergutsbrauerei in Döllnitz war, Guido Pfnister, endete am 17. März 1966 diese spezielle Bier-Tradition in der Messestadt – vorübergehend, wie wir heute wissen. Denn 1985 ließ der Leipziger Hochschullehrer und Designer Lothar Goldhahn in der Weißbierbrauerei des VEB Getränkekombinat Berlin wieder Gose nach alter Rezeptur brauen und öffnete die sanierte „Gosenschenke Ohne Bedenken“ in Leipzig.

Zur Jahrtausendwende begann der Bayerische Bahnhof mit seiner Gosebrauerei. Selbst die Döllnitzer Ritterguts-Gose wurde wiederbelebt. Sie entsteht heute wieder bei der Brauerei Reichenbrander in Chemnitz. Gebraut wird Gose übrigens mit Salz (wenn nicht bereits salzhaltiges Brauwasser vorhanden ist) und Koriander. Eine Milchsäuregärung führt nach der Hauptgärung des obergärigen Weißbieres zu seinem säuerlichen Charakter. Der Bayerische Bahnhof und sein Braumeister stehen mittlerweile international für die Gose, weshalb wir beide kurz vorstellen möchten:

Die Geschichte des Bayerischen Bahnhofs in Leipzig ist primär nicht die Geschichte einer Brauerei. Doch heute steht das Haus wie kein anderes für den Erhalt einer sonst womöglich ausgestorbenen Bier-Spezialität: Der Gose. Besuchern fällt vor allem der riesige Portikus ins Auge. Der denkmalgeschützte Bau erinnert an die Gründungszeit, als der Kopfbahnhof 1842 von der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn-Compagnie in Betrieb genommen wurde. Bis zur Schließung 2001 galt er als ältester betriebener Bahnhof seiner Art. Ab 1912 verkehrten die Schnell- und Eilzüge zwar über den neuen Leipziger Hauptbahnhof, Nah- und Güterverkehr blieben aber. Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten den Ostteil des Bahnhofs, Portikus und Westseite blieben glücklicherweise unversehrt. Nach umfangreichen Renovierungen begann am 19. Juli 2000 mit der Öffnung der „Gasthaus und Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof“ die zweite Blütezeit des Hauses.

Begonnen hatte die Bier-Idee mit Thomas Schneider, in den 1990er Jahren Inhaber der Schneider-Brauerei im mittelfränkischen Weißenburg. Er hörte 1996 zum ersten Mal von dem obergärigen Weißbier namens Gose, das im 17. Jahrhundert von Goslar bis nach Leipzig kam. Der Braumeister stellte erst selbst kleinere Sude dieses Bieres für die Leipziger Gosenschenke „Ohne Bedenken“ her, bis er dann auf die Idee kam, in Leipzig selbst eine Braustätte zu errichten. Die Immobilie des Bayerischen Bahnhofs kam ihm gerade recht, und fertig war das Konzept der Gose-Gasthausbrauerei. Zu Beginn brauten sie 1.000 Hektoliter im Jahr, heute sind es 2.500. 5% davon gehen mittlerweile direkt in die USA, wo sie vor allem rund um New York besonders gerne getrunken werden. Auch ein Gose-Bock namens „Goseator“ und andere Spezialitäten wandern regelmäßig über den Atlantik.

Das Bier-Urgestein an den Sudkesseln ist Braumeister Matthias Richter. Der heute 40-Jährige wollte ursprünglich in eine ganz andere Richtung: „Beleuchter, Tontechniker oder Buchdrucker, das waren meine ersten Ideen“, erzählt er, „dann bin ich plötzlich in der Krostitzer Brauerei gelandet. Und die Passion kam mit dem Beruf.“ Schon während seines anschließenden Studiums an der Berliner VLB arbeitete Richter in der neuen Brauerei am Bayerischen Bahnhof und erarbeitete sich bis heute einen absoluten Expertenstatus rund um das Thema Gose. Vom Starkbier „Goseator“, im Tequila-Fass gereift, bis zur Fichtennadel-Gose gibt es wenig, das Richter mit dem milchsäuerlichen Gewürzbier nicht schon ausprobiert hat. Bierfreunde und Braumeister aus aller Welt geben sich bei ihm die Klinke in die Hand, um sich Informationen, Rat und Hilfe zu holen.

Autor: Markus Raupach

Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier

Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015

copyright © Bier-Deluxe GmbH

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