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    <updated>2026-05-24T22:55:54+02:00</updated>
    
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            <title type="text">Der Bier-Deluxe Club Silber im Januar</title>
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                                            Diese 8+1 leckeren Craft Biere und aufregenden Extras waren in unserem Januar Abo des Silber Clubs enthalten. 
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                <![CDATA[
                 Diese 8+1 leckeren Craft Biere und aufregenden Extras waren in unserem Januar Abo des Silber Clubs enthalten.&amp;nbsp; 
  8 ausgewählte Craft Biere:  
    
 
 
 
 
  Craftwerk Mad Calista  
 
 
 
 
  Vulkan Porter  
 
 
 
 
  Hopfenstopfer Citra Ale  
 
 
 
 
  Lucky Lup  
 
 
 
 
  ÜberQuell Palim Palim Pale Ale  
 
 
 
 
 
 
  St. ERHARD Original  
 
 
 
 
 
 
  Gotlands Wisby Julbrygd (Weihnachtsbier)  
 
 
 
 
 
 
  Windswept Blonde  
 
 
 
 
 
 &amp;nbsp; 
  Extras des Monats:  
    
 
 
 
 
 Glas:&amp;nbsp; Bier Deluxe Glas mit Logo  
 
 
 
 
 Special Brew:&amp;nbsp; Piwoteka 1423  
 
 
 Lektüre: Buch zum Thema Bier von Markus Raupach 
 
 
 
 &amp;nbsp; 
 Neubierig geworden?&amp;nbsp; Zum Bier-Deluxe Club  
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                            <updated>2018-02-08T12:00:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Der Bier-Deluxe Club Gold im Januar</title>
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                <![CDATA[
                
                                            Diese 12 +1 Craft Biere und aufregenden Extras waren in unserem Januar Abo des Gold Clubs enthalten.
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                <![CDATA[
                 Diese 12 +1 leckeren Craft Biere und aufregenden Extras waren in unserem Januar Abo des Gold Clubs enthalten:&amp;nbsp; 
  12 ausgewählte Craft Biere:  
    
 
 
 
 
  Craftwerk Hop Head IPA7  
 
 
 
 
 
 
  Schlössle Weizen  
 
 
 
 
  ÜberQuell Palim Palim Pale Ale  
 
 
  Vulkan Porter  
 
 
 
 
  Crew Hop Junkie - Session IPA  
 
 
 
 
  St. ERHARD Original  
 
 
 
 
  Windswept Tornado  
 
 
 
 
  Piwoteka Lodka  
 
 
 
 
  Lowlander White Ale  
 
 
 
 
 
 
  Gotlands Sleepy Bulldog Winter Ale  
 
 
 
 
  Gotlands Wisby Julbrygd (Weihnachtsbier)  
 
 
 
 
  Stone Berliner Weisse  
 
 
 
 
 
 &amp;nbsp; 
  Die Extras des Monats:&amp;nbsp;  
    
 
 
 
 
 Glas:  Gotlands Bryggeri Jubiläumsglas  
 
 
 
 
 
 
 Special Brew:  Windswept Wolf of Glen Moray  
 
 
 
 
 Lektüre:&amp;nbsp;&amp;nbsp;Buch zum Thema Bier von Markus Raupach 
 
 
 
 &amp;nbsp; 
 Neubierig geworden?&amp;nbsp; Zum Bier-Deluxe Club  
                ]]>
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                            <updated>2018-02-08T12:00:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Der Bier-Deluxe Club Platin im Januar</title>
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                                            Diese 12 +1 leckeren Craft Biere und aufregenden Extras waren in unserem Januar Abo des Platin Clubs enthalten. 
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                <![CDATA[
                 Diese 12 +1 leckeren Craft Biere und aufregenden Extras waren in unserem Januar Abo des Platin Clubs enthalten:&amp;nbsp; 
  12 ausgewählte Craft Biere:  
    
 
 
 
 
  Craftwerk Hop Head IPA7  
 
 
 
 
 
 
  Schlössle Chocolet Porter  
 
 
 
 
 
 
  ÜberQuell Imperial Lager  
 
 
 
 
 
 
  ÜberQuell Palim Palim Pale Ale  
 
 
 
 
 
 
  Craftwerk Dark Season  
 
 
 
 
 
 
  Riegele Augustus 8  
 
 
 
 
 
 
  Willemoes 55N Saison  
 
 
 
 
 
 
  Piwoteka Limonka Hooligans  
 
 
 
 
 
 
  Lowlander White Ale  
 
 
 
 
 
 
  Lowlander American Pale Ale  
 
 
 
 
 
 
  Gotlands Sleepy Bulldog Winter Ale  
 
 
 
 
 
 
  Haandbryggeriet Humlekanon  
 
 
 
 
 
 &amp;nbsp; 
  Extras des Monats:&amp;nbsp;  
    
 
 
 
 
 Glas: Ein&amp;nbsp; Spiegelau Barrelaged Glas&amp;nbsp;  
 
 
 
 
 
 
 Special Brew:  Gotlands Valkyrians Välkomst  
 
 
 
 
 Lektüre: Buch zum Thema Bier von Markus Raupach 
 
 
 
 &amp;nbsp; 
 Neubierig geworden?  Zum Bier-Deluxe Club  
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                            <updated>2018-02-08T12:00:00+01:00</updated>
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            <title type="text">RavenKraft</title>
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                                            Die Craft Beer Brauerei RavenKraft wurde von den drei Freunden Alejandro Garcia de la Garza, Christoph Ravenstein und Ulrike Schäfer im fränkischen Nürnberg gegründet. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt ihre Liebe zum Bier zu teilen und so ihre Leidenschaft an die Gesellschaft w...
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                 Die Craft Beer Brauerei RavenKraft wurde von den drei Freunden Alejandro Garcia de la Garza, Christoph Ravenstein und Ulrike Schäfer im fränkischen Nürnberg gegründet. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt ihre Liebe zum Bier zu teilen und so ihre Leidenschaft an die Gesellschaft weiterzugeben. Dabei ist der Name der Brauerei auf den Namen eines der Gründungsmitglieder, Christoph Ravenstein, zurückzuführen. Dadurch entstand ein interessanter Bezug zu einem Raben, denn dieser sollte zur wichtigsten Symbolfigur der RavenKraft Brauerei werden. Auf der Suche nach dem richtigen Bier haben sich die drei Freunde zusammen getan, um echte Gourmet-Biere zu brauen. Dabei wird versucht die traditionellen Bierrezepte aus der bierbegeisterten Region rund um Nürnberg neu zu gestalten. So wird Tradition mit Innovation und Experimentierfreude kombiniert. Damit diese speziellen Gourmet-Biere auch über Nürnberg hinaus bekannt werden, fährt der Raven-Bus gerne zu besonderen Anlässen für Craft Beer Fans und solche, die es vielleicht werden wollen, um dort Bierverköstigungen anzubieten. Gelegentlich stehen dabei auch die drei Gründer Alejandro Garcia de la Garza, Christoph Ravenstein und Ulrike Schäfer für Fragen zur Verfügung, da diese das außergewöhnliche der RavenKraft Biere in besonderem Maße vorleben können. 
 Das Frankenland bezeichnet sich selbst als Heimat der Biere. Welchen passenderen Sitz für eine neue Craft Beer Brauerei gibt es also außer Nürnberg, die größte des Frankenlandes? Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts wurde in Nürnberg ein Reinheitsgebot beschlossen, dass nur noch Gerstenmalz zum Brauen erlaubte. Das war lediglich der Beginn der Nürnberger Biergeschichte, die sich auch heute noch, dank neuer Brauereien wie RavenKraft, immer weiter fortsetzt. Wer sich für diese Biergeschichte interessiert, kann heutzutage noch die alten Felsenkeller der Brauereien besichtigen. 
 RavenKraft hat also diesen hervorragenden Platz gewählt, um eine neue Brauerei zu gründen. Dabei brauen sie nicht einfach nur ihr eigenes neues Bier. Sie interpretieren alte, traditionelle Braurezepte aus der Region in neuer Art und Weise, sodass interessante frische Gourmet-Biere entwickelt werden konnten. 
 Das Wahrzeichen von RavenKraft ist, wie der Name vermuten lässt, der Rabe. Raben haben einige außergewöhnliche Eigenschaften. Sie gelten als die intelligentesten unter den Vögeln und sind sehr anpassungsfähig, was sich hautpsächlich beim Verstecken von Futter und der Nahrungssuche bemerkbar macht. Zudem sind sie immer loyal zu ihren Partnern und kooperieren wenn nötig auch mit anderen. Darüberhinaus halten sie sich gerne in Gesellschaft auf, können allerdings trotzdem als charakterstarke Individuen angesehen werden. Die Biere der RavenKraft Brauerei weisen ebenfalls all diese positiven Eigenschaften auf. Das Ganze macht die Biere so einzigartig und besonders auf die ungewöhnliche Charakterstärke der Biere sind die Brauer sehr stolz. Auch die Namen der Biere lassen sich gewissermaßen vom Raben ableiten. Bekannte RavenKraft Biere sind der Wanderer oder die Draufgängerin. Der Wanderer ist beispielsweise ein Black IPA, das durch eine lange Reifezeit besticht und fruchtige Noten mit einem Kaffeegeschmack kombiert. Dagegen ist die Draufgängerin ein Pale Ale, das den Geschmack verschiedener Biersorten wie Pils, Münchner und Kölsch verinnerlicht hat. Dazu kommt ein charakterlicher Fruchtgeschmack, der darauf wartet von Dir entdeckt zu werden. Als Zutaten werden werden neben Wasser, Hefe, Gersten- und Weizenmalz verschiedene Hopfenarten wie 
 Aroma- und Bitterhopfen verwedendet. Dabei wird hoher Wert auf eine hervorragende Qualität gelegt, damit die beeindruckenden unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wie gewollt zum Tragen kommen. 
 Also sei kühn und furchtlos und teste unsere einzigartigen Craft Beers. 
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                            <updated>2018-01-12T15:00:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Bierland Bayern</title>
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                                            Bayern ist – wie auch im sonstigen wirtschaftlichen Leben – ein sehr vielfältiges Bierland. Denn einerseits ist das ehemalige Königreich die Geburtsstätte des untergärigen Bieres, also damit praktisch die Mutter von über 90% der heute auf der Welt gebrauten und getrunkenen Bie...
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                 Bayern ist – wie auch im sonstigen wirtschaftlichen Leben – ein sehr vielfältiges Bierland. Denn einerseits ist das ehemalige Königreich die Geburtsstätte des untergärigen Bieres, also damit praktisch die Mutter von über 90% der heute auf der Welt gebrauten und getrunkenen Biere, andererseits sind mehr als 50% der in Bayern selbst verkauften Biere obergärige Weißbiere, stehen also in der Tradition der Biere vor der untergärigen Revolution. Das hat vor allem historische Gründe. Denn als die Römer einst aus Bayern abzogen, hinterließen sie an der Donau und ihren Zuflüssen florierenden Weinbau, der noch bis ins ausgehende Mittelalter eine große Rolle im Wirtschaftsleben des Landes spielte. Die fruchtbaren Donau-Auen versorgten das Land zudem mit einem großen Weizenüberschuss, der es ermöglichte, das Brotgetreide auch in schlechten Zeiten durchaus fürs Bierbrauen zu verwenden. 
 Bis zu dieser Zeit war in Bayern und der Welt nur von zwei Sorten Hefe die Rede: Den wilden Hefen, die zur Steinzeit und in der Antike spontan das Bier vergoren (und heute vor allem in Belgien noch Verwendung finden), und den bereits genannten obergärigen Hefen, die ab dem frühen Mittelalter in den Brauereien bewusst zum Einsatz kamen. Die Brauer kannten diese Hefe allerdings nicht als den Mikroorganismus, den wir heute in den Fachbüchern oder als Backhefe im Supermarkt finden, sondern als – anfangs geheimnisumwobene und „Gottesgabe“ genannte – Hilfssubstanz, die von einem Sud zum nächsten übertragen werden konnte. Die Germanen vermuteten noch den Speichel Odins hinter der Gärung und spuckten deshalb in die Maische. Deswegen nannten die Alchemisten in ihrer Transformationslehre die Hefeausfällungen im Bier auch den „Speichel des Bären“. Zunächst gelangte die „Gottesgabe“ durch reife Früchte, an denen immer zahlreiche Hefezellen anhafteten, zufällig in die Bierwürze, im frühen Mittelalter dann durch die Holzpaddel und -bottiche, an denen sich ebenfalls immer Hefereste befanden. Spätestens ab dem 14. Jahrhundert wurde sie jedoch bewusst eingesetzt, indem man den bei der Gärung des letzten Sudes abgeschöpften Schaum den neuen Bierwürzen beimengte. Auf diese Weise kultivierten die Brauer die Hefestämme, welche die Basis für unsere heutige Vielfalt an Bierhefen bildet. 
 Ab dem 15. Jahrhundert begann sich allerdings ausgehend von Bayern eine neue, die untergärige Hefe durchzusetzen, die bei deutlich niedrigeren Temperaturen von 4-9°C arbeitet. Deren Abkömmlinge bleiben nicht an der Mutterzelle haften, sondern lösen sich ab, wodurch die Hefe nicht von der Kohlensäure an die Oberfläche getrieben werden kann. Der große Vorteil dieses neuen Stammes war, dass die Gärung zwar langsamer, dafür aber wesentlich stabiler, infektionsfreier und reproduzierbarer ablief. Der Gärprozess bei Zimmertemperatur lief ständig Gefahr, von Fremdpilzen und Bakterien verunreinigt zu werden. Dafür benötigte die untergärige Hefe allerdings eine kalte Umgebung, die vor der Erfindung der künstlichen Kühlung nur sehr eingeschränkt nach Bedarf herstellbar war. Doch die Mühe lohnte sich, denn das Ergebnis war das für die damalige Zeit in jeder Hinsicht bessere Bier. 
 Für den Ursprung der untergärigen Hefe gibt es zwei Theorien. Die gängige Hypothese geht davon aus, dass im Gebiet zwischen Nürnberg und Oberpfalz beim Vergären in den Lagerkellern die obergärige Hefe (Saccharomyces Cerevisiae) mit einem wilden Stamm eine Mutation gebildet hat, die bei den herrschenden Temperaturen gut überleben und arbeiten konnte. In den 1990er-Jahren untersuchten Forscher die untergärige Hefe (Saccharomyces Uvarum) und bestätigten, dass es sich hierbei um eine Mutation zweier Hefestämme handelt. Der eine war die bekannte obergärige Hefe, aber der andere war in Europa unbekannt. Auch fanden sich außerhalb von Brauereien keinerlei wilde Hefen, die mit dem Genom des untergärigen Stammes verwandt waren. Das fanden die Wissenschaftler zumindest ungewöhnlich und ließ sie an der Entstehungsgeschichte zweifeln. 
 Schließlich führte ein Zufallsfund zu einer zweiten Hypothese. Eine Forschergruppe aus den USA und Argentinien entdeckte in Patagonien auf Chilenischen Scheinbuchen einen wilden Hefestamm, dessen Genom zu 99,5% zu der anderen Hälfte der untergärigen Hefe passte – der „Missing Link“ schien damit gefunden. Demnach hätte eine Holzlieferung oder zumindest ein Holzstück im 15. Jahrhundert den südamerikanischen Hefestamm (Saccharomyces Eubayanus) nach Bayern importiert, woraus ein Einrichtungsgegenstand für eine Brauerei gefertigt worden wäre, in deren Kellern sich dann die beiden Hefestämme kreuzten. Der Holzhunger Europas zu dieser Zeit könnte eine solche Lieferung durchaus erklären. 
 Dieser – sehr stichhaltigen – genetischen Untersuchung steht allerdings die Tatsache entgegen, dass in der 1474 erlassenen Brauordnung von Nabburg in der Oberpfalz neben der klassischen Gärung auch die „kalte, untergärige Gärführung“ genutzt werden sollte, um einen Vorrat an gutem Bier für den Sommer zu haben – und dies ist nicht die einzige diesbezügliche Quelle vor der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492. Vielleicht wird das fehlende Puzzlestück ja doch noch irgendwo in Mitteleuropa gefunden, oder es findet sich ein Übertragungsweg durch die Weiten Asiens. 
 Unabhängig von ihrem Ursprung stand der untergärigen Hefe eine große Karriere bevor. Brauergesellen verbreiteten die Kenntnis von der kalten Gärung und damit auch den Hefestamm während ihrer Wanderschaft nach und nach in ganz Bayern. Überall dort wo es geeignete Keller und Stollensysteme gab, beispielsweise in Kitzingen, Bamberg, Forchheim und Erlangen, stiegen die Brauer auf die neue Hefe um und konnten haltbare und besser schmeckende Biere sieden als die traditionell arbeitenden Kollegen. Das Sommerbrauverbot infolge des Bayerischen Reinheitsgebotes sorgte dafür, dass Braunbier nur in der kälteren Jahreszeit von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) gebraut werden durfte und sich damit das untergärige Brauen im Herzogtum der Wittelsbacher endgültig durchgesetzt hat. Denn nur untergärig gebraute Biere waren lange genug haltbar, um – im März eingebraut – den Sommer über getrunken werden zu können. Für Kühlung in den Kellern sorgte Eis, das die Brauer von gefrorenen Eisweihern oder Eisgalgen, die nachts mit Wasser übergossen wurden, ernteten. Wo keine Stollen verfügbar waren, bauten die Brauereien „Eistürme“ mit meterdicken Mauern, in denen das Eis sogar über mehrere Jahre lagern konnte. Zur Beginn des 19. Jahrhunderts konnten sich die bayerischen Brauereien dank der Entwicklung der Eisenbahn und des Wegfalls der Zollschranken erst in Bayern (ab 1806), dann im Zollverein (ab 1834) und schließlich im Deutschen Reich (ab 1871) so neue, große Absatzmärkte erschließen. Bayerische Auswanderer brachten um 1840 die untergärige Hefe nach Amerika, wo sie ebenfalls eine Braurevolution auslösen sollte. 
 Nach der mittelalterlichen Hanse waren die Bierstädte Frankens und Bayerns die ersten, die im großen Stil den Handel mit Bier für sich entdeckten – allerdings erst im Zuge der untergärigen Revolution im 19. Jahrhundert. Das neue, kalt vergorene Bier war nämlich haltbar und damit lager- und exportfähig, womit eine entscheidende Voraussetzung für den Transport über Land gegeben war. Der Wegfall der Zollschranken und die Entwicklung einer modernen Transportinfrastruktur legten zudem die Grundlage für eine neue Blütezeit im Zeichen des Bieres. Begonnen hat diese mit dem Ende der napoleonischen Kriege, als die Siegermächte auf dem Wiener Kongress 1814/15 die politische Landkarte Europas neu gestalteten. Einer der großen Gewinner war dabei das erst 1806 mit französischer Hilfe entstandene Königreich Bayern. König Maximilian I. hatte gerade noch rechtzeitig die Seiten gewechselt und durfte somit einen Großteil seines Staatsgebietes behalten. Lediglich auf Tirol musste er verzichten, erhielt dafür aber die Pfalz und das Gebiet um Würzburg und Aschaffenburg als Entschädigung. 
 Besonders für die fränkischen Brauer läutete dies eine neue Ära ein. Denn nun galt auch bei ihnen das bayerische Reinheitsgebot und neben dem bisher hauptsächlich obergärigen Bier setzte sich durch das Sommerbrauverbot endgültig die untergärige Brauweise aus dem Süden durch. Denn nur diese Biere konnten die Lagerzeit von der Zeit der letzten Sude im März über den Sommer bis zum September, in dem dann wieder gebraut werden durfte, überstehen. Insbesondere die in den Städten Bamberg, Erlangen, Nürnberg und Forchheim bereits vorhandenen ausgedehnten Kelleranlagen eigneten sich ideal zum Brauen des neuen Bieres. 
 Mit den Reformen des bayerischen „Superministers“ Maximilian Graf von Montgelas entfielen zudem die Binnenzölle im Königreich, was dem erfolgreichen Bierhandel innerhalb Bayerns endgültig den Weg ebnete. Und nach der Gründung des Deutschen Zollvereins entfielen ab 1834 auch die Zölle für bayerische Exporte in fast alle anderen deutschen Staaten. Zeitgleich begann die „Königlich privilegierte Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft“ mit der Planung der ersten deutschen Eisenbahnverbindung auf der verkehrsreichen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Von einem Kanonenschuss begleitet ging am 7. Dezember 1835 die Dampflokomotive „Adler“ auf ihre Jungfernfahrt – vorerst allerdings nur zum Personentransport. Doch schon im Juni des Folgejahres transportierte der Bierbrauer Christian Lederer aus Nürnberg das erste deutsche Eisenbahnfrachtgut – zwei Fässer Bier – zur Fürther Gaststätte „Zur Eisenbahn“. Parallel hatte König Ludwig I. auch den Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals forciert, der die Donau bei Kelheim und den Main in Bamberg verband. Damit verwirklichte er einen schon von Karl dem Großen teilweise umgesetzten Traum, die Nordsee über den Rhein, in den der Main mündet, mit der Donau und damit dem Schwarzen Meer zu verbinden. Dies war ein weiterer Meilenstein des günstigen Biertransports, denn allein die kleine Stadt Kitzingen am Main exportierte bereits um 1840 jährlich mehr als 10 000 Hektoliter Bier an Abnehmer außerhalb Bayerns, mehr als jede andere Stadt des Königreichs – und zwar über die Binnenschifffahrt. 
 Die Erlanger Brauereien deuteten den Erfolg der Kitzinger Kollegen richtig und beschlossen, ihr natürliches Kapital, den riesigen, von Kelleranlagen durchzogenen Burgberg zu nutzen, da er ideale Voraussetzungen für die Herstellung von untergärigen Bier im großen Stil bot. Also modernisierten sie ihre Brauanlagen, kauften Dampfmaschinen und machten landesweit Werbung für ihr Bier. Ab 1850 stieg dessen Export auch rasant an: Waren es im Jahr 1853 noch 25 700 Hektoliter sind es 1869 schon 84 100. Über die Eisenbahn lieferten die Franken ihr Bier vor allem nach Sachsen, aber auch nach Preußen, und verschifften es zudem in die USA und nach Frankreich, wo es vor allem die Pariser sehr schätzten, sowie nach Skandinavien. Für die Übersee-Exporte nutzte die Erlanger Brauerei Resenschreck die neue Methode der Pasteurisation und versandte das Bier nicht nur in Fässern, sondern auch in Flaschen. 
 Der Erfolg der Brauer kam der ganzen Stadt zugute. Alleine die Küfer (= Fassmacher) lieferten zu Spitzenzeiten täglich bis zu 120 Fässer aus, die Gastronomie florierte und der Stadtsäckel war durch die Malzaufschläge der Brauereien gut gefüllt. Beispielsweise finanzierten die Biersteuern die Kanalisation und die Kasernen der Stadt. Die größten Erfolge verzeichneten die Erlanger Brauereien nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871. Denn mit der Annexion Elsass-Lothringens war ein in Sachen Bier eher unerschlossenes Absatzgebiet dem Reich eingegliedert worden, das die Erlanger Brauer sofort für ihre Geschäfte entdeckten. Deren Export war mittlerweile auf über 100 000 Hektoliter pro Jahr zwischen 1871 und 1879 angestiegen. Die unterlegenen Franzosen mussten nach dem Krieg fünf Milliarden Goldfrancs an Reparationen leisten – dies entsprach etwa einem Drittel des Bruttosozialproduktes des neu gegründeten Deutschen Reiches und bildete das Startkapital für dessen Aufstieg zur führenden Wirtschaftsmacht auf dem Kontinent und floss zu einem großen Teil auch in die Brauereiwirtschaft. 
 Die aufkommende Industrialisierung schwächte die Position der Erlanger Brauereien ab 1880, denn diese waren allesamt Familienunternehmen, die nicht das nötige Kapital aufbringen konnten, um mit den ständigen Neuerungen Schritt zu halten. Das Gegenmodell dazu bildeten die Aktiengesellschaften, die durch die Ausgabe neuer Wertpapiere jederzeit ihren Kapitalbedarf anpassen konnten. Als Erste hatten die Sachsen diese neue Unternehmensform für sich entdeckt und ab 1850 Aktienbrauereien gegründet. Schon 1865 stellten alleine die Brauereien um Dresden bereits über 250 000 Hektoliter Bier her und deren Dividendenzahlungen stiegen auf sagenhafte 25%. Das sächsische Kapital fand auch seinen Weg nach Bayern und finanzierte 1872 die Gründung der „Ersten Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei“, womit Erlangen als erfolgreichste bayerische Bierexportstadt entthront war – allerdings nur für kurze Zeit, denn nun trat die Landeshauptstadt auf den Plan. 
 Dort wagten nach der Reichsgründung auch die „Münchner Bierbarone“ den entscheidenden Schritt in Richtung Export. In den Jahrzehnten zuvor waren die Hauptstadt-Brauer zwischen dem staatlich festgesetzten Bierpreis von sechs Pfennig pro Maß und steigenden Fixkosten sowie schwankenden Rohstoffpreisen eingezwängt gewesen. 1832 hatten einige Brauer um Gabriel Sedlmayr von der Spaten-Brauerei deshalb eine Reise nach Schottland unternommen, um die dortige Brauindustrie kennenzulernen – und dort Industriespionage zu betreiben. Mithilfe hohler Gehstöcke entnahmen sie heimlich Proben aus den britischen Sudpfannen. Moderne Mälzereien, Nutzung von Thermo- und Saccharometer sowie die Dampfkraft beeindruckten die Besuchergruppe nachhaltig und gaben ihnen wesentliche Inspirationen für die Entwicklung ihrer heimischen Betriebe. Die Stadt München deckte um 1850 gut 80% ihrer Steuereinnahmen mit den „Bierpfennig“, einem lokalen Malzaufschlag, während die Brauereien auf keinen grünen Zweig kamen. Zudem unterboten sie sich regelmäßig bei den Verkaufspreisen, weshalb sich der Markt unter immer weniger Brauereien aufteilte. Die entstehenden Großbrauereien vergaben nun großzügig Kredite an Gastronomen, die sich ihrem Bier verpflichteten – eine „Schuldknechtschaft“, die deutschlandweit Schule machen und Kriege und Inflationen überdauern sollte. Noch heute sind in manchen Städten bis zu 90% der örtlichen Gastronomien fest an bestimmte Brauereien gebunden. Dies führte trotz des bis 1865 durch die staatliche „Biertaxe“ festgeschriebenen Bierpreises dazu, dass die übriggebliebenen Brauer immer reicher wurden. 1860 waren 13 von ihnen unter den 20 reichsten Münchener Bürgern zu finden. Dies und der Bau repräsentativer Paläste brachte ihnen den eingangs erwähnten Spitznamen „Bierbarone“ ein. Von den 980 000 Hektolitern, die die Münchener Brauereien im Reichsgründungsjahr herstellten, entfielen über 75% auf die sechs größten Betriebe: Spatenbräu (130 000 hl), Löwenbräu (109 000 hl), Franziskaner-Leistbräu (60 000 hl), Hackerbräu (51 000 hl), Pschorrbräu (48 000 hl) und Brauerei zum Zacherl (35 000 hl). Mit der schon thematisierten Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde konnten die Münchener Brauer ab 1876 ihre Produktion schließlich deutlich erhöhen und im nationalen Geschäft entsprechend durchstarten. Um 1890 exportierten sie bereits über 1,1 Millionen Hektoliter Bier an außerbayerische Kunden, doppelt so viel wie ihre Kulmbacher Kollegen. 
 Nachdem die Aktienbrauereien in Bayern so großen Erfolg hatten und sowohl Kapital wie auch Technologie (Kältemaschine) verfügbar waren, folgte eine Gründungswelle von Brauereien insbesondere in Berlin und im Ruhrgebiet, die Bier „nach bairischer Art“, also untergärig herstellten. Die Reichshauptstadt als politisches und finanzielles Zentrum erlebte vor allem den Aufstieg der Schultheiss-Brauerei, die 1842 gegründet und 1871 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Brauerei überschritt 1904 den Produktionsausstoß von einer Million Hektolitern, beschäftigte 2000 Arbeiter und Angestellte und nannte 537 Pferde, 533 Wagen und 65 Eisenbahn-Transportwaggons ihr Eigen. Damit zählte sie zu den 300 größten Firmen des Reiches und konnte ihren Aktionären eine Dividende von über 14% auszahlen. 
 Die deutsche Brauwirtschaft entwickelte sich nach der Reichsgründung in kürzester Zeit zum bedeutendsten Bereich der Ernährungsindustrie und hatte 1906 daran einen Anteil von über 60%. In derselben Zeit setzte sich auch endgültig das untergärige Brauverfahren durch. Lagen 1870 ober- und untergärige Biere noch in etwa gleich auf, verließen 1912 zu über 90% untergärige Biere die deutschen Brauereien. Die Menge an verkaufsfertig produziertem Bier stieg von 30 auf über 70 Millionen Hektoliter an und das Deutsche Reich steigerte seine Steuereinnahmen aus der Bierwirtschaft von 40 auf 232 Millionen Mark, mehr als 3% seines Bruttosozialproduktes. Auch wenn Bayern dabei seine vorherrschende Stellung als Bierproduzent verlor, blieb es doch das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch und die Quelle des Know-hows für Brauerausbildung, Rohstoffe und Technologie. Ein Status, den auch das moderne Bayern heutiger Zeit nicht eingebüßt hat. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Reinheitsgebot</title>
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                 Am 4. März 1918 sprach mit dem bayerischen Landtagsabgeordneten Hans Rauch zum ersten Mal jemand vom „Reinheitsgebot“ und meinte damit ein Festhalten am Verbot für Ersatzstoffe im Bier. War das ursprüngliche Gesetz der Bayernherzöge 1516 noch eine Verordnung „von oben nach unten“ – nicht zuletzt, um Interessen und Privilegien der Herrscher zu sichern–, so hatte die „Erfindung“ des Begriffes „Reinheitsgebot“ von 1918 die genau entgegengesetzte Richtung. Die rasante und für die Menschen damals überwältigende, teils überfordernde Entwicklung der Industrialisierung in allen Bereichen, zusammen mit dem Trauma des Ersten Weltkrieges, bewirkten eine Rückbesinnung auf klassische Werte der „guten alten Zeit“. Hierbei wurde auch die Vorstellung des „reinen“, nach vorindustriellen Werten und Maßstäben hergestellten Bieres neu belebt – die Idee des „Reinheitsgebotes“ als Selbstverpflichtung der Brauerei-Industrie war geboren! 
 Dem Charme und der Romantik dieses neuen Begriffes konnten sich in der Folgezeit auch die Konsumenten nicht entziehen und entwickelten eine bis dahin unbekannte Anspruchshaltung hinsichtlich der Bierproduktion. Mit dem Reinheitsgebot war eine heute immer noch weltweit einzigartige Marke geboren, von deren Image die deutschen Brauereien nach wie vor profitieren. In dem Fachbuch „Der Brauerlehrling“ von Gottfried Jakob aus den 1930er-Jahren heißt es: „Im Beruf des Brauers kommt es nicht so sehr darauf an, was einer im Betrieb ist, sondern einzig und allein darauf, wie er es ist. Dem denkenden Brauer bietet daher sein Beruf eine Fülle geistiger Anregung und hochinteressanter Beobachtungsmöglichkeiten, wie das kaum in einem anderen Berufszweig möglich ist. Ein Brauer muss mit seinem Werk seelisch verbunden sein.“ Diese seelische Verbindung, eben jenes Bier-Bewusstsein kann man auch heute noch bei jedem Brauer auf der Welt erleben, der sein Handwerk liebt und lebt, und es ist zudem die Verbindung zwischen den „traditionellen“ und den „Craft“-Brauern. Auf die Unterscheidung kommen später noch zu sprechen. 
 Doch wie kam es überhaupt zu den Regelungen des Reinheitsgebotes von 1516 – und war es tatsächlich eine bayerische Erfindung? Dazu müssen wir die Uhr wieder ein gutes Stück zurückdrehen und zwar in die Zeit Friedrich Barbarossas. Als der frischgebackene Kaiser am 21. Juni 1156 Augsburg das Stadtrecht verlieh, stand in der ältesten deutschen Stadtrechtsverordnung auch ein Absatz zur Bierqualität: „Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden.“ Weitere Regelungen in anderen Städten folgten: Nürnberg (1303), Eichstätt (1319), Weimar (1348), Weißensee (1434), München (1447), Regensburg (1469), Bamberg (1489), Bad Reichenhall (1493) und Ingolstadt (1513). Somit hatte das Bayerische Reinheitsgebot von 1516 einige Vorläufer, die zwar nicht immer inhaltlich deckungsgleich, aber von derselben Intention getrieben waren. Die Formulierung im Bad Reichenhaller Text geht hierbei am weitesten: 
 „Ain yeder Prew soll bey dem aid, dene er darumben geschworn hat, nit annders prauchen zu pier dann guet beschauts unnd gerechtfertigs Malltz, Wasser unnd Hopffn. Doch furgesetzt, ob er ainicherlay guts gewurtz weßßte, das dem menschn khainen schaden oder gebrechn brächte, sonnder nutz unnd gesundt wäre, das mag er unnß, dem Rate, ingehaym zaign unnd zuerkhennen geben. Soverr wir Ime dann etwas darinnen erlauben, das mag er brauchen. Aber außßer unsers erlaubens soll er nit anders dan di drew Stuckh zum Pier nutzn: Maltz, Wasser und Hopfn.“ 
 Bemerkenswert ist, dass in Bad Reichenhall, genauso wie im Bamberger Text vier Jahre zuvor, nicht nur Gerste, sondern bereits Malz vorgeschrieben wird. Hier ging es in der Regel einerseits um steuerliche Aspekte, andererseits aber auch um den Brandschutz. Denn wenn das Getreide zum Brauen bereits vermälzt sein musste, konnten die gefährlichen Mälzereien innerhalb der Stadtgrenzen verboten werden. 
 Im zweiten Teil erlaubt das Reichenhaller Gebot zudem, auch andere Zutaten zu verwenden, wenn sie erwiesenermaßen nicht gesundheitsschädlich und dem Rat angezeigt worden waren. Zudem war das Brauen mit Weizen erlaubt und auch die Hefe wurde ausführlich behandelt, war also schon gut bekannt. Das alles geht ebenfalls weit über die Regelungen des späteren bayerischen Gesetzes hinaus und könnte heutzutage eine gute Grundlage für eine Reform der aktuellen Regelungen im Freistaat sein. 
 Es fällt auf, dass die bisher genannten Verordnungen nur aus städtischen Rechtstexten überliefert sind. Die Kontrolle von Bier und dessen Qualität, Braurechten und Zutaten war in den Städten wesentlich besser gewährleistet als auf dem dünnbesiedelten und auch fiskalisch schwer zu überwachenden Land. Somit waren der Erlass des Bayerischen Reinheitsgebotes von 1516 und sein Vorgänger für das damalige Teil-Herzogtum Bayern-Landshut von 1493 der erste Schritt, eine landesweit einheitliche Regelung zu treffen, die auch außerhalb der Städte streng kontrolliert und durchgesetzt werden sollte. Die Regenten des 1505/06 wiedervereinigten Bayern, die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X., legten am 23. April 1516 in Ingolstadt schließlich fest: 
 „Wir wollen auch sonderlichen, das füran allenthalben in unnsern Steten, Märckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer Stückh, dann allain Gersten, Hopffen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.“ 
 Der Regelung schlossen sich schon bald weitere Gebiete an, sodass das Gebiet des heutigen Ober- und Niederbayerns, der Oberpfalz sowie Tirols und einer Exklave östlich von Nürnberg zu einer einheitlichen Bierwirtschaftszone wurde. Neben der Festlegung von Hopfen als alleinigem Biergewürz, um den schädlichen Wirkungen der anderen bisher üblichen Zutaten – Belladonna, Bilsenkraut, Hiobs Träne oder Mutterkorn – entgegenzuwirken, war vor allem das Verbot des Brauens mit Weizen eine wichtige Neuerung. Hier ging es einerseits um die Sicherung der Versorgung der Bürger mit ausreichend Brot, andererseits profitierten die Herrscher selbst erheblich vom Weißbiermonopol, das sie sich in der Folge genehmigen sollten. Als der Sohn Wilhelms, Herzog Albrecht V., 1567 das Brauen von „Weißem Bier“ im gesamten Herzogtum Bayern verbot, blieben lediglich zwei Adelsgeschlechter ausgenommen. Maximilan I., der Urenkel Wilhelms, erkannte das lukrative Geschäft und nahm ab 1. August 1602 das Weißbierbrauen komplett in die eigenen Hände. Seine Maxime war klar: „Ein fürst, so nit bei diser itzigen bösen welt reich ist, der het kein authoritet noch reputation.“ 
 Neben dem bestehenden „Braunen Hofbräuhaus“ ließ der Herzog 1607 in München ein „Weißes Hofbräuhaus“ erbauen, um die stetig steigende Nachfrage nach Weißbier befriedigen zu können. Denn das Weißbier war spritziger und erfrischender als die üblichen Braunbiere. Außerdem war es das Bier des Adels und der gehobenen Bürgerschicht – und damit auch für die Menschen auf den unteren Stufen der sozialen Leiter besonders attraktiv. Als die Kapazitäten in München nicht mehr ausreichten, folgten Gründungen 21 weiterer, mittlerweile kurfürstlicher Weißer Brauhäuser im ganzen Land, beispielsweise in Kelheim, Cham, Traustein, Vilsholfen, Mattighofen (heute Österreich), Mindelheim, Hals, Weichs, Mehring, Weilheim und Miesbach. Die bayerischen Herrscher sicherten sich noch auf eine andere Weise den Umsatz mit ihrem kostbaren Bier: In der Landesordnung von 1539, bestätigt 1553 und 1616, verbot der Herzog das Brauen vom sonst üblichen „Braunbier“ zwischen Georgi (23. April) und Michaeli (29. September) – zumindest für alle gewerblichen Brauer, fürstliche und kirchliche Produzenten waren selbstverständlich ausgenommen. Sein Weißbier durfte aber weiterhin ganzjährig hergestellt werden. Das Sommerbrauverbot blieb trotz des erheblichen Wettbewerbsnachteils, vor allem gegenüber den österreichischen Brauern, bis zum 19. Mai 1865 in Kraft. Zudem war jedes Gasthaus verpflichtet neben Braunbier auch Weißbier auszuschenken und die Weinsteuern wurden um 50% erhöht. Die Einnahmen aus dem Weißbierverkauf trugen wesentlich zum bayerischen Staatshaushalt und auch zur Finanzierung der hohen Kosten des Dreißigjährigen Krieges bei. Der wiederum verhalf der bayerischen Bierkultur endgültig zum Durchbruch. Denn die Verwüstungen der Heerscharen zerstörten die norddeutsche Brauwirtschaft, die noch dazu gut die Hälfte ihrer Kunden verlor, und die süddeutsche Weinwirtschaft, die zur schnelleren Versorgung der Bevölkerung weitestgehend durch Brauereien ersetzt wurde. 
 Mit ihren Regelungen förderten die Bayernherzöge zudem indirekt die Entwicklung und Verbreitung der untergärigen Brauweise, aber davon später mehr. Des Weiteren ermöglichte die klare Festlegung auf die drei Zutaten eine Standardisierung sowohl hinsichtlich der Rohstoffe als auch in den Feldern Ausbildung und Technologie. Das legte den Grundstein für die noch heute außergewöhnliche Rolle Bayerns und seiner Firmen und Institutionen für die Bierwirtschaft. Das Reinheitsbot und die Brauwirtschaft waren auch im modernen Bayern so wichtig – die Biersteuer machte über ein Drittel der bayerischen Steuereinnahmen aus –, dass König Ludwig II. den Erhalt der bayerischen Biergesetzgebung 1871 zur Bedingung für seinen Vorschlag machte, ein deutsches Kaiserreich mit dem Preußenkönig Wilhelm an der Spitze zu gründen. Und auch bei der Gründung der Weimarer Republik war die Eigenständigkeit Bayerns in Sachen Bier Bedingung für den Verbleib im deutschen Staatenbund. Ein „Deutsches Reinheitsgebot“ gibt es erst seit 1906. Heute sind die Regelungen zum Bier über verschiedene Gesetzestexte und Verordnungen verteilt – und harren noch der endgültigen und einheitlichen Formulierung für die gesamte Bundesrepublik. 
 Allerdings wird eines oft missverstanden: Das aktuelle Reinheitsgebot verbietet nicht nur „kreative“ Zutaten wie Obst und Gewürze – das ist in Norddeutschland als „Besonderes Bier“ sogar erlaubt, sondern es verbietet vor allem die vielen Chemikalien und Prozessbeschleuniger, die außerhalb Deutschlands in den Brauereien der Welt Verwendung finden. Deswegen fürchten Sachkundige vor allem, dass bei einem Wegfall des Reinheitsgebotes billige Massenbiere noch stärker den deutschen Markt beherrschen würden – zu Lasten der traditionellen und vor allem auch der kreativen und Craft-Brauereien des Landes. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Bier in Flaschen und Dosen</title>
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                 Was ist das richtige Gefäß, um Bier in kleinen Mengen aufzubewahren und was ist das richtige, um daraus zu trinken? Diese Frage beschäftigt die Menschheit schon seit Tausenden Jahren. Am Anfang stand sicherlich das Tongefäß, doch Archäologen fanden schon in Ägypten glasartiges Material aus der Zeit um 5000 v.Chr. Beides entwickelte sich weiter und während die verhältnismäßig günstige Keramik zum Alltagsgegenstand wurde, blieb das edle Glas den Wohlhabenderen und Adligen vorbehalten. Im Frankenreich stellten die Glashütten ab dem 5. Jahrhundert in den alten römischen Zentren Belgiens, Frankreichs und des Rheinlandes, nicht zuletzt wegen des feinen, sauberen Rheinsandes, einfache Trinkbecher und Flaschen aus einer grünlichen Glasmasse her. Bier getrunken wurde zu dieser Zeit in erster Linie allerdings aus Steinkrügen und Lederbeuteln. Erst in der Blütezeit Venedigs wurde Glas wieder für derart profane Zwecke verfügbar. Die Lagunenstadt hütete ihre Glasmacherkunst und verbot bei Todesstrafe die Abwanderung der Handwerker. Um sie besser kontrollieren zu können, verlegten die Venezianer um 1290 alle Glashütten auf die Insel Murano und in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstand dort auch das erste wirklich klare Glas, das Cristallo. Die Glasmacher nördlich der Alpen schafften es dennoch, die venezianische Kunst zu kopieren und „Glas à la façon de Venise“ herzustellen. Im Rheinland erfreuten sich verzierte Schmuckhumpen im 17. Jahrhundert großer Beliebtheit. Eine Variante war das mit Ringen verzierte „Passglas“. Die Zecher ließen es mit Bier gefüllt reihum gehen und jeder Schluck sollte die Höhe eines Ringes durchmessen. Trank man zu viel, galt man als maßlos, trank man dagegen weniger, beleidigte man den Gastgeber. So ähnlich lief auch die Bierversorgung in den Haushalten. Bedienstete – in einfacheren Verhältnissen das kräftigste Kind – wurde mit einem großen Krug oder einer Kanne, meist mit einem Fassungsvermögen von ca. drei Litern, zur nächsten Brauerei geschickt, um frisches Bier zu holen. Als Dank für den Transport winkte die Möglichkeit, auf dem Weg ordentlich am Krug zu nippen, denn schließlich konnte die Füllmenge ja nicht kontrolliert werden. Zu Hause angekommen, ließen die Familienmitglieder den Krug so lange kreisen, bis er ausgetrunken war, danach begann das Spiel von Neuem. 
 Bei den Biertrinkern erfreute sich seit dem Ende des Mittelalters allerdings noch ein anderes Gefäß großer Beliebtheit. Ab dem 14. Jahrhundert war das Zinngießen in Mode gekommen und etablierte einen Krug aus eben diesem Material. Der hatte in vielen Fällen bereits einen kleinen Maßzapfen an der Innenseite, um eine geeichte Füllmenge anzugeben. Mit der Entwicklung von modernem Steingut stand ab 1825 eine preisgünstige, gutaussehende und leicht zu reinigende Alternative zur Verfügung. Vom Zinnkrug blieb lediglich der Deckel als typologisches Rudiment erhalten. Dieser ist auch der Ursprung der Redenwendung „eingeschnappt sein“. Wenn jemand beleidigt war, wollte er nicht mehr weitertrinken und ließ seinen Krugdeckel zuschnappen. 
 Die größte Verbreitung fand der Krug in Bayern, wo er auch als „Maß“ – synonymisch für einen Liter Bier – bezeichnet wird. Im „Bayerischen Wörterbuch“ des Sprachforschers Johann Andreas Schmeller heißt es um 1830: „Auf einen Sitz zwei, drei Maß zu trinken ist etwas Gewöhnliches, vier, fünf, sechs nichts Außergewöhnliches. Es gibt Leute, die tagtäglich ihre 10, ja 20 Maßln zu Leibe nehmen.“ Die bayerische Maß fasste zu dieser Zeit ordentliche 1,069 Liter, als kleinere Einheiten hatten sich noch die „Halbe“, also eine halbe Maß, und das „Quartl“ oder „Seidel“ mit etwa einem viertel Liter Inhalt etabliert. Das Seidel geht auf das lateinische Wort „situla“ für Eimer zurück. Heute gibt es das Seidel noch in Österreich, wo es 0,3 Litern Bier entspricht, und in Franken als „Seidla“, wo man einen halben Liter eingeschenkt bekommt. Die günstigste Krug-Variante war der „Keferloher“, ein schmuck- und deckelloser Tonkrug mit einfacher Textglasur, der als Wegwerf-Artikel beim Pferdemarkt im Münchener Vorort Keferloh im obligatorischen Bierausschank Verwendung fand. Das internationale Chaos der Maßeinheiten wurde Ende des 19. Jahrhunderts geordnet, als sich der Liter als Bemessungsgrundlage durchsetzte. Lediglich in den Pubs Großbritanniens und Irlands hat sich das Pint erhalten, das 0,568 Litern entspricht, das ebenfalls angebotene Halfpint dürfte sich von selbst erklären. Australien führte zum Millennium das metrische System ein, weswegen dort von einem „metric“ Pint die Rede ist, das einen halben Liter fasst. In den USA waren früher ebenfalls Pints üblich, die 0,473 Litern entsprachen. Hier hat sich nur das „Ladies‘ Pint“ erhalten, ein US-Halfpint, das aber vor allem auf den britischen Inseln ausgeschenkt wird. 
 Die Kunst des Glasmachens erreichte 1607 auch die Neue Welt, als in Jamestown, Virginia, die erste Glashütte Amerikas ihre Pforte öffnete. Erfahrene Glasbläser fertigten in der Stunde etwa 40 Halbliterflaschen. Verbesserungen in Europa und den USA sorgten für immer preiswerteres Glas, bis der Glasbläser Michael Joseph Owens 1903 in New Jersey die erste automatische Flaschenblasmaschine in Betrieb nahm. Das Gerät war einer der ersten Vollautomaten und konnte pro Minute neun Flaschen herstellen, also etwa 15 000 am Tag. Die „Owens Bottle Machine Co.“ mit ihren drei Millionen Dollar Stammkapital revolutionierte die Glasindustrie und verkaufte das Patent 1907 für zwölf Millionen Mark an den Europäischen Verband der Flaschenfabriken. Nur ein Jahr später wurde in Düsseldorf bereits der Startschuss für die vollautomatische Flaschenherstellung gegeben. Damit war die Industrialisierung auch bei den Glasherstellern angekommen und hatte zudem einen bedeutenden Nebeneffekt: In der Gastronomie setzten sich die Biergläser durch und viele Gäste konnten zum ersten Mal sehen, was sie da eigentlich tranken. War das Aussehen des Bieres im Stein- oder Zinnkrug noch relativ egal, machte es nun für viele einen deutlichen Unterschied, ob ein trübes Braunbier oder ein leuchtend strahlendes Helles im Glas lockte. Dieser Effekt trug wesentlich zum Erfolg des Pils und später auch des Champagner- oder Kristallweizens bei. Filtrierte Biere wurden als qualitativ hochwertiger empfunden und erst seit den 1990er-Jahren ist – im Kielwasser des Trends zu „natürlichen“ Produkten – das unfiltrierte Bier wieder auf dem Vormarsch. 
 Aus einer Enzyklopädie von 1775 ist überliefert, dass Flaschen einen zylindrischen Körper, grüne Farbe und ein Fassungsvermögen von 0,25 bis 0,7 Litern hatten. Ab 1785 durften die Münchener Brauereien Bier „in Flaschen und Poutollien“ einen Pfennig teurer als verkaufen als im offenen Ausschank und ab 1810 verkauften die lokalen Bierkeller unter anderem auch Flaschenbier. Ebenfalls in Flaschen erreichte das Stettiner Doppelbier zehn Jahre später den Berliner Markt und um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es üblich, dass Bierfuhrleute auf ihrer Tour den Gerstensaft in Flaschen abfüllten und direkt an die Haushalte verkauften. Die großen Münchener Brauereien setzten um 1860 schließlich auf genormte Ein-Liter-Glasflaschen, anfangs mit Sektkorkenverschluss, Porzellanpfropf mit Zinngewinde oder Hartgummideckel. 1875 patentierte der Berliner Carl Dietrich den Bügelverschluss und Porzellankopf und bereits fünf Jahre später fertigten die Glasbläser die Flaschen mit den passenden Löchern. Trotz erster Experimente ab 1872 konnten sich die Drehverschlüssen in Deutschland nicht durchsetzen, während die Briten großen Gefallen an einem System mit einem Gummistöpsel fanden, der in ein im Glas integriertes Innengewinde gedreht wurde. 
 1880 hatte das Deutsche Reich Großbritannien als größte Bier-Exportnation der Welt abgelöst, wobei im Inlandsmarkt der Fassverkauf dominierte. Gleichzeitig stieg der deutsche Bierkonsum von 14,5 Millionen Hektolitern im Jahr 1850 auf 66,6 Millionen Hektolitern zur Jahrhundertwende. Die Popularität der Bierflasche nahm dabei deutlich zu und wurde durch die Entdeckung der Pasteurisation, die dem Bier eine deutlich längere Haltbarkeit verlieh, zudem begünstigt. Ein Beispiel für den Wandel ist Bayern, wo der Flaschenbieranteil von 5% im Jahr 1905 auf 56% knapp 50 Jahre später anstieg. Die große Vielfalt an Flaschenformen und -größen blieb in Deutschland auch über das Jahr 1936 erhalten, als zwar mit dem Maß- und Eichgesetz vom 1. April Flaschengrößen von 0,33 l, 0,5 l und 0,7 l verbindlich festgelegt wurden, diese Regelung aber aufgrund des Kriegsausbruchs nicht mehr in die Praxis umgesetzt werden konnte. Auf genormte Flaschenformen mussten Brauereien und Verbraucher noch bis in die 1950er-Jahre warten. 
 Von der ehemaligen Züricher Hürlimann-Brauerei ist bekannt, dass sie 1896 insgesamt 36 000 Bierflaschen erwarb, vier Jahre später bereits 108 000 und 1926 die stolze Summe von 672 500. Flaschenbier machte in Norddeutschland 1907 bereits ca. ein Drittel des Bierabsatzes aus, 1950 waren es in der Bundesrepublik drei Viertel. Ein Pfandsystem gab es anfangs nicht, weswegen die deutschen Brauereien um 1900 einen durchschnittlichen Flaschenverlust von 6% beklagten. Gustav Stresemann, der spätere Reichskanzler, Außenminister und Friedensnobelpreisträger, war Sohn eines Biergroßhändlers und schrieb in seiner Dissertation über den Berliner Biermarkt zur selben Zeit: „Die Hausfrauen oder Dienstmädchen machen sich in vielen Fällen gar kein Gewissen daraus, die Bierflaschen zu allen möglichen Zwecken zu gebrauchen, sie holen Spiritus, Öl, Fleckenwasser etc. darin, und in der Küche prangen die dem Bierhändler gehörenden Flaschen ganz ungeniert neben anderen Utensilien. Die Arbeiter betrachten es als ihr selbstverständliches Recht, die Bierflaschen zum Einholen von Schnaps und Kaffee zu gebrauchen. Am tollsten geht es auf den Bauten zu, da wird die Flasche oft, wenn sie ausgetrunken ist, einfach auf den Boden geworfen, ob sie entzweigeht oder nicht, ist ganz gleichgültig, wenn der Kutscher des Bier-Lieferanten am nächsten Tag kommt, so kann er sich die leeren Flaschen aus allen Ecken und Winkeln des Bauplatzes zusammensuchen.“ Angesichts der hohen Preise für die Flaschen etablierte sich nach und nach ein Pfandsystem, mit dem die Schweizer 1907 den Anfang machten. Allerdings blieb das Pfand immer unter den tatsächlichen Einkaufskosten. Selbst heute kostet eine Bierflasche, für die eine Brauerei acht Cent Pfand erhält, diese zwischen 12 und 35 Cent – von den Logistik- und Reinigungskosten ganz abgesehen. Selbst eine Bierkiste kostet mindestens 3 Euro – bei 1,50 Euro Pfand. 
 1892 meldete der Amerikaner William Painter aus Baltimore den Kronkorken zum Patent an, der anfangs aus einer Kork- und einer Weißblechscheibe bestand, die maschinell auf einen leicht wulstigen Flaschenhals gepresst wurden. Zum Standard entwickelte sich der später mit Kunststoff statt Kork modernisierte Verschluss in Deutschland erst ab 1965, als die neu gegründete Europäische Gemeinschaft genormte Halbliterflaschen mit passendem Wulst verbindlich festlegte. Besonders wichtig war die Bierflasche seit den 1870er-Jahren für die Belegschaft der Industriebetriebe, die so ihren Durst während der Arbeit unkompliziert vor Ort stillen konnten. In Deutschland wurden die letzten Bierautomaten erst Ende der 1990er-Jahre aus den Produktionshallen verbannt. 
 Die Flaschenfarbe war von der ersten Flasche an wegen des natürlichen Gehalts an Eisenoxiden grün oder durch zusätzliche Schwefeloxide braun. Das hat sich bis heute gehalten, denn Tageslicht schadet dem Bier, lässt es schneller altern und ab einem gewissen Zeitpunkt auch durch den Zerfall von Hopfenbitterstoffen unerwünschte Fehlaromen entstehen. Den besten Schutz bietet eine braune Flasche, die 60–90% des Lichtes absorbiert, wohingegen das grüne Pendant nur bei 30–40% liegt. Bis in die 1970er-Jahre waren beide Varianten dennoch in etwa gleich weit verbreitet. Mittlerweile hat sich allerdings die braune Flasche durchgesetzt, Grünglas verwenden nur noch einige Großbrauereien – in erster Linie aus Marketinggründen. Einige „Szene“-Biere gibt es auch in speziell UV-beschichteten Klarglasflaschen. 
 Die letzte Neuerung der Biergefäße stellte die nach der Prohibition 1933 erstmals in den USA präsentierte Bierdose dar. Deren Geschichte hatte jedoch schon 1810 in England begonnen und auch in den vereinigten Staaten wurde bereits seit 1885 Kondensmilch in Dosen verkauft. Die „Gottfried Krueger Brewing Company“, 1858 von dem deutschen Einwanderer Gottfried Krüger und seinem Onkel Johannes Laible gegründet, führte als erste Brauerei der Welt am 24. Januar 1935 in Richmond, Virginia, Dosenbier auf den Markt ein. Das Öffnen erfolgte damals noch mit einem spitzen Dosenstecher. Erst 1959 entwickelte Ermal C. Fraze den Aufreißverschluss (Pull-Tab), der 1963 patentiert wurde und sich schnell international durchsetzen konnte. Schon 1965 nutzten 75% der amerikanischen Brauereien Dosen mit Frazes Öffnungsmechanismus. 1977 schließlich ließ der Amerikaner Daniel F. Cudzik den ersten „Stay-On-Tab-Verschluss“ patentieren, bei dem der Verschluss an der Dose verbleibt und kein zusätzlicher Abfall mehr anfällt, Fraze zog im selben Jahr mit einer verbesserten Version nach. 
 Während die Dose sich weltweit großer Beliebtheit erfreut und ca. 30% des verkauften Bieres umhüllt, führte in Deutschland die Einführung des Dosenpfandes dazu, dass die Bierdose ab 2003 nahezu völlig aus den Regalen verschwand. Der Allgäuer Brauer Heinrich Zötler III. sagte hierzu 2004 in einem Interview: „Die Dose war ein Kampfinstrument der Industriebrauer, die haben ihre Überkapazitäten darin abgefüllt, um uns rauszudrängen. Die mittelständischen Brauer werden Jürgen Trittin für das Dosenpfand ein Denkmal setzen.“ Doch die Vorteile der Getränkedose hinsichtlich des geringeren Gewichts und der besseren Stoßempfindlichkeit haben ihr auch hierzulande wieder zu einer Renaissance verholfen. Sensorisch ist die Dose übrigens das beste Bieraufbewahrungsbehältnis (Schutz vor Licht und Sauerstoff) – allerdings sollte man ein gutes Bier vor dem Trinken in ein geeigneteres Gefäß geben. 
 Hierfür eignen sich am besten Bierdegustationsgläser wie entweder die spezielle Graft-Glas-Serie von Spiegelau, die für jeden Bierstil das perfekte Glas bietet, oder das von den Italienern Teo Musso, einem der Brau-Pioniere Europas, und Lorenzo Dabove, einem bekannten italienischen Biersensoriker mit dem Spitznamen „Kuaska“, entwickelte TeKu-Glas. Die beiden Freunde machten sich Anfang des Jahrtausends auf die Suche nach dem idealen Glas für die Verkostung von 0,1 Liter Bier, sowohl hinsichtlich der Aromen als auch eventueller Braufehler. Musso entwickelte mehrere Prototypen, deren Eigenschaften Dabove verglich. Am Ende hatte er zwei erfolgversprechende Glasformen, deren Sieger er in einer Blindverkostung von 64 Flaschen des belgischen Trappistenbieres Orval ermittelte. In Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Rastal entstand so schließlich ein völlig neues Bierglas, das 2010 auf der BrauBeviale in Nürnberg seine Premiere feierte und in kürzester Zeit auf dem gesamten Kontinent ein Synonym für Craft-Bier geworden ist. Es gibt kaum ein Bierfestival, auf dem das TeKu-Glas – benannt nach Teo und Kuaska – nicht als Allround-Verkostungsglas eingesetzt wird. Einen anderen Weg gehen die bereits erwähnten Craft-Bier-Gläser von Spiegelau. Der Hersteller hat in monatelanger Entwicklungsarbeit seit 2013 eine Serie von Gläsern herausgebracht, die auf bestimmte Bierstile abgestimmt sind. Neben einem IPA-Glas (2013) stellen die Oberpfälzer auch ein Stout-Glas (2014), ein Witbier-Glas (2015), ein Barrel-Aged-Glas (2016) und ein Pils-Glas (2017) her. Gute Gläser sollten auf keinen Fall in einem bieraffinen Haushalt fehlen, denn es ist einfach nur schade, wenn das Aroma eines hochwertigen Bieres in einem minderwertigen Glas untergeht. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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                 Bis ins 15. Jahrhundert hinein war in Deutschland das Brauen am heimischen Herd genauso selbstverständlich – und für den privaten Verbrauch auch rechtens – wie das Backen. Und es war Sache der Frauen, deren wichtigste Mitgift ein schöner, kupferner Braukessel war. Das Recht zur Bierherstellung in größeren Mengen stand vor allem den Städten zu. Sie regelten bereits ab dem 14. Jahrhundert in ihren Verordnungen Ausschank, Verkauf, Preise und sogar die Sperrstunde, „Bierglockenzeit“ genannt. Professionelle Sachverständige, „Bierkieser“, „Bierkoster“ oder „Bierherren“ überprüften im Auftrag des Magistrates die Bierqualität. In Köln überwachten sie beispielsweise auch den Hopfen- und Malzhandel sowie die städtischen Malzmühlen und waren befugt, bei Verstößen Strafen zu verhängen. Ihre Amtszeit betrug zwei Jahre und wurde mit jährlich 40 Goldgulden entlohnt. Auf dem Land durfte nur in weit von Städten entfernten Rittergütern oder Landschänken Bier gesiedet werden. Um die Städte und Rittergüter herum galt der Braubann, also das Brauverbot, im Umkreis der Brau- oder Biermeile deren Ausdehnung sich auf ungefähr 15 Kilometer belief und den lokalen Brauereien ein exklusives Absatzgebiet garantierte. Es versteht sich von selbst, dass die so privilegierten Bürger argwöhnisch das Umland beäugten und jeden Verstoß umgehend zur Anzeige brachten. Das Braurecht wurde pro Haushalt vergeben, aber nur die wohlhabenderen Bürger konnten die Kosten des Biersuds vorfinanzieren. Somit garantierten die Stadtmagistrate ihren besten Steuerzahlern mit dem Braurecht auch eine sichere Einnahmequelle. In Dresden beispielsweise kamen 1416 auf 228 Häuser 165 Braurechte, 1626 waren es 1950 Häuser mit 1264 Braurechten, wobei es sich vielfach um durch Erbschaften oder Verkäufe entstandene Bruchteile von Konzessionen handelte, von denen sich teilweise auch mehrere auf ein Haus verteilten. Einen wichtigen Beitrag zum Siegeszug des Bieres lieferten auch die starken Preisschwankungen des schon zu guten Zeiten mindestens dreimal so teuren Weines. Starke Qualitäts- und Quantitätsunterschiede in den Ernten machten das höfische Getränk wesentlich unberechenbarer für den Handel als den Gerstensaft. 
 Gebraut und ausgeschenkt wurde nach einem Losverfahren oder „in Reihe“ meist in zentralen Kommunbrauhäusern oder mehreren jeweils angemieteten Brauereien. Um sicherzustellen, dass es immer ein konstantes Bierangebot gab, losten die Magistrate die Brautage zwischen den Braurechtsbesitzern aus, oder sie kamen nach einer festgelegten Ordnung an die Reihe. Die Kommunbrauhäuser hatten mehrere Vorteile: Zu Beginn ihrer Einrichtung ab dem 14. Jahrhundert halfen sie vor allem, das Brandrisiko zu verringern, weil sich eine Feuerstelle besser kontrollieren ließ als mehrere. Natürlich unterlag auch die zentralisierte Nutzung durch die Bürger einer besseren und einfacheren Kontrolle. Mit der Zeit stellten die Städte eigene Braumeister ein, die für die Braubürger die Bierherstellung übernahmen. Das war ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung, auch wenn die Konzessionsinhaber in der Regel auch weiterhin das Bier bei sich zu Hause vergären ließen. Unmittelbar nach dem Brauen wurde das in der Regel meist obergärige Braunbier, das keine lange Haltbarkeit besaß, auch ausgeschenkt. Dieses System wurde teils noch bis in die Mitte des 19 Jahrhunderts praktiziert, wobei die Braukessel sowie die Anzahl der wöchentlichen Sude immer größer wurden. In Bremen erstellten die Brauer aus einem Sud um 1450 etwa 1125 Liter, 50 Jahre später waren es bereits 2600 Liter und um 1650 schließlich 3200 Liter. Auch anderorts steigerte sich die Bierproduktion stetig, wie beispielsweise im belgischen Lier, wo um 1400 monatlich noch 4300 Liter, 74 Jahre später schon 9800 Liter und um 1600 schließlich 17 000 Liter gebraut wurden. 
 Nach und nach entwickelte sich eine professionelle Brauerschaft, die Braurechte von anderen Bürgern sowie die Kommunbrauhäuser pachtete. Ab und an wurden sich auch Genossenschaften gebildet, die das jeweilige städtische Brauhaus übernahmen, oder es erfolgten Geschäftsgründungen von Brauereien mit eigenen Anlagen. Interessant sind aus heutiger Sicht vor allem die Bestimmungen für die Lehrlinge. So mussten sie etwa in Dresden mindestens 15 Jahre alt sein und mit dem Vater oder einem Verwandten einen Bürgen haben, der für den Ausfall des Meisterlohns geradestand. Der Meister erhielt 10 Taler Lehrgeld, die gleiche Summe wurde nach Beendigung der Lehre nochmals fällig. Anschließend hatte der frischgebackene Geselle eine zweijährige Wanderschaft durch mindestens drei Länder zu absolvieren, um dortigen Gepflogenheiten seines Handwerks zu erlernen. Der Wochenlohn eines Gesellen betrug 1 Taler und 12 Groschen. Wollte der Geselle anschließend Meister werden, brauchte er einen Erbschein, Kauf- oder Pachtvertrag für eine Braustätte, musste einen Meistersud einbrauen und 36 Taler Gebühren entrichten. 
 Mit der Industrialisierung und dem Aufstieg des untergärigen Bieres (siehe -&amp;gt; Bierland Bayern) veränderte sich die Brauereistruktur Deutschlands maßgeblich. Aus Familienbetrieben wurden, ausgehend von Sachsen und Bayern, Aktiengesellschaften, die dank ihrer Fähigkeit, schnell neues Kapital aufzutreiben, die einzigen waren, die mit den raschen Technologiesprüngen und der zunehmenden Ausweitung der Handelswege Schritt halten konnten. Deswegen folgte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gründungswelle von Brauereien insbesondere in Berlin und im Ruhrgebiet, die Bier „nach bairischer Art“, also untergärig herstellten. Die Reichshauptstadt als politisches und finanzielles Zentrum erlebte vor allem den Aufstieg der Schultheiss-Brauerei, die 1842 gegründet und 1871 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Brauerei überschritt 1904 den Produktionsausstoß von einer Million Hektolitern, beschäftigte 2000 Arbeiter und Angestellte und nannte 537 Pferde, 533 Wagen und 65 Eisenbahn-Transportwaggons ihr Eigen. Damit zählte sie zu den 300 größten Firmen des Reiches und konnte ihren Aktionären eine Dividende von über 14% auszahlen. 
 In der preußischen Rheinprovinz und Westfalen schlug hingegen mit dem Ruhrgebiet in seinem Zentrum das industrielle Herz des Landes. Dort legte der Durst der Arbeiterschaft kräftig zu und lag um 1900 bei gut 100 Litern Bier pro Kopf und Jahr. In Bayern waren es zwar stolze 290 Liter, aber der anhaltende Bevölkerungszuwachs an der Ruhr machte die Pro-Kopf-Differenz locker wett. Im westfälischen Dortmund braute Heinrich Wenker in der väterlichen Traditionsbrauerei „Krone am Markt“ 1843 das erste untergärige Bier, das anfangs als „niggemod’sches Herrenpier“ verschrien war. Wenker hatte in München und Wien die Brauerausbildung absolviert und in seiner Heimatstadt anschließend mit den dort verfügbaren Rohstoffen einen neuen Bierstil etabliert. In den 1860er-Jahren gab es bereits neun „Bairische Bierbrauereien“ in der Stadt, für die der überseeische Exportmarkt ein wichtiges Standbein wurde. Aufgrund der dadurch bedingten längeren Transportwege brauten die Brauereien ihr Bier kräftiger ein – das „Dortmunder Exportbier“ war geboren und erhielt in den 1870er-Jahren seine heutige helle Färbung. Zu den ab 1871 in der Stadt gegründeten Aktienbrauereien gehörte auch die Dortmunder Union-Brauerei, die 1887 das Dortmunder Export in ihr Programm aufnahm und damit weltweiten Erfolg verzeichnen konnte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg produzierte Dortmund mit seinen 19 Brauereien deutschlandweit das meiste Bier. 
 Die deutsche Brauwirtschaft entwickelte sich nach der Reichsgründung in kürzester Zeit zum bedeutendsten Bereich der Ernährungsindustrie und hatte 1906 daran einen Anteil von über 60%. In derselben Zeit setzte sich auch endgültig das untergärige Brauverfahren durch. Lagen 1870 ober- und untergärige Biere noch in etwa gleich auf, verließen 1912 zu über 90% untergärige Biere die deutschen Brauereien. Die Menge an verkaufsfertig produziertem Bier stieg von 30 auf über 70 Millionen Hektoliter an und das Deutsche Reich steigerte seine Steuereinnahmen aus der Bierwirtschaft von 40 auf 232 Millionen Mark, mehr als 3% seines Bruttosozialproduktes. 
 Nachdem das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in den Industrienationen von Prosperität und Aufschwung geprägt war, mussten die europäischen Brauer nach vielen Friedensjahrzehnten, in denen gerade die Brauindustrie gewaltige technologische und logistische Fortschritte gemacht hatte, 1914 den Auswirkungen der Kriegswirtschaft ins Auge blicken. Dies traf besonders die exportorientierten deutschen Brauereien hart, hatten sie doch in der Vergangenheit teils große Marktanteile in den USA und anderen Ländern erobert. Auch wenn die Vereinigten Staaten noch kein Feindesland waren, behinderte doch die britische Seeblockade den Handel und die Versorgung der Mittelmächte in gewaltigem Ausmaß. 
 Demzufolge hatte die Versorgung der Bevölkerung und der Soldaten die oberste Priorität im Deutschen Reich. Hopfengärten mussten Ackerland weichen und statt Braugerste standen nun Weizen und Roggen auf den Feldern. Die Brauer erhielten immer geringere Malzzuteilungen, was die Stammwürze des Bieres auf unter 3% sinken ließ. Zudem war es schwierig, Ersatz für die zum Kriegsdienst eingezogenen Mitarbeiter zu finden. Die Münchner Löwenbrauerei beispielsweise hatte vor dem Kriegsbeginn 783 Mitarbeiter. Im ersten Kriegsjahr mussten davon 344 an die Front, bis Kriegsende sogar 495. Für sie standen 118 Frauen „ihren Mann“ in der Brauerei. 
 Zu Kriegsende waren 10–15% der eingezogenen Mitarbeiter gefallen, weitere arbeitsunfähig oder zumindest nur eingeschränkt belastbar. Während sich die Deutschen noch Gedanken machten, wie sie die Reparationsforderungen der Siegermächte erfüllen sollten, stellte die steigende Geldentwertung, die in der Hyperinflation von 1923 gipfelte, die Brauer vor erneute, existentielle Probleme. Erst ab 1921 es ihnen wieder möglich, Bier mit 12% Stammwürze zu brauen, nun kostete die Maß auf einmal 98,6 Milliarden Reichsmark und die Brauereien hatten 18-stellige Bilanzen in den Büchern stehen. Erst 1927 hatte sich die Brauwirtschaft von diesem ökonomischen Desaster wieder erholt, die alten Produktionsrekorde der Vorkriegszeit lagen jedoch noch in weiter Ferne. Hatten die deutschen Brauereien 1913 noch 940 000 Hektoliter exportiert, waren es 1933 gerade einmal 238 000. 
 Auch im Zweiten Weltkrieg mussten die Brauereien gut ein Drittel ihrer Belegschaft an die Wehrmacht abgeben, von denen ca. 10% nicht wieder zurückkehrten. Aufgrund von Rohstoffmangel und Änderungen in der Landwirtschaft wurde schon bald nach Kriegsbeginn die Versorgung der Brauereien reduziert. Schon 1942 hatte das deutsche Bier in der Regel nur noch 3,5% Stammwürze und damit einen Alkoholgehalt, der zwischen 1% und 2% lag. 
 Während die Brauereien selbst im Ersten Weltkrieg und in der nachfolgenden Inflation und Weltwirtschaftskrise kaum in Mitleidenschaft gezogen wurden, lag ein Großteil von ihnen 1945 in Trümmern. Noch funktionierendes Gerät wurde zudem in der östlichen Besatzungszone als Reparationsgut demontiert und in die Sowjetunion transportiert. In den ersten Nachkriegsjahren durfte überhaupt nicht gebraut werden, dann nur für die Angehörigen der Besatzungstruppen. Die ersten Biere für den deutschen Markt hatten 1948 nur 1,8% Stammwürze. Erst nach der Währungsreform normalisierte sich in den Westzonen der Biermarkt wieder und ab 1949 konnte wieder „normales“ Bier mit 12% Stammwürze gesotten werden. Der Ausstoß betrug 1949/50 ca. 16,7 Millionen, im nächsten Braujahr sogar 21,8 Millionen Hektoliter, wovon bereits wieder 340 000 Hektoliter exportiert wurden – mehr als 1933! Der Bierdurst der Bevölkerung erholte sich allerdings nur langsam. Tranken die Westdeutschen 1938 durchschnittlich noch 70 Liter Bier pro Kopf und Jahr, waren es 1951 nur noch 47 Liter, allerdings mit steigender Tendenz. Um die Wirtschaft wieder an ein Friedensniveau heranzuführen, verfügten die Alliierten zudem einen festgesetzten Bierpreis, der 1950 bei 78 Pfennig für eine Maß Dunkles und 80 Pfennig für eine Maß Helles lag. Dafür musste ein Bauer eineinhalb Stunden arbeiten, ein Bauarbeiter 30 Minuten. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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                 Bier ist den Gästen lieb und teuer – bis zu 266 Millionen Mark, die ein Bayer im November 1923 für eine Maß Bier berappen musste – und es hat auch den Nimbus, dass bei übermäßigem Konsum auch einiges auf den Rippen der Genießer hängenbleibt. Doch ist das so? Hier gibt es keine einfache Antwort. Denn grundsätzlich ist Bier ein eher kalorienarmes Getränk. Ein halber Liter enthält im Schnitt zwischen 200 und 250 Kalorien, alkoholfreie Biere zwischen 100 und 150. Damit liegt der Gerstensaft gleichauf oder unter den Werten von Fruchtsaft (300), Cola (220) oder Milch (320). Auch der Wein bringt mit 400 Kalorien deutlich mehr auf die Waage, dieselbe Zahl wie beispielsweise 0,2 Liter Aperol Spritz. 
 Doch bleibt es ja meistens nicht bei einem Bier – und das Teufelszeug wirkt in der Regel appetitanregend. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Wer ein 0,33-Liter Glas IPA trinkt, der wird davon sicher nicht dick, aber wer dazu genüsslich ein männliches 500-Gramm-Steak verdrückt, sollte durchaus an eine Lauf- oder Fahrradrunde am nächsten Morgen denken. 
 Innerhalb der Bierfamilie lässt sich grundsätzlich sagen, dass deutsche obergärige Biere (Kölsch, Alt, Weizen) aufgrund ihrer Rezeptur bis zu einem Drittel mehr Kalorien enthalten, als ihre untergärigen Verwandten (Pils, Helles, Dunkles, Export etc.). Bockbiere sind nochmals nahrhafter, weil sie mit wesentlich mehr Malz hergestellt werden und deshalb einen höheren Gehalt an Restzucker und Alkohol aufweisen. Gleiches gilt für Malzbiere, die zwar keinen Alkohol enthalten, aber dafür den gesamten unvergorenen Zucker. 
 Bei so genannten Diätbieren muss unterschieden werden. Handelt es sich um mit geringerer Stammwürze hergestellte Leichtbiere, ist der Kaloriengehalt um ca. ein Viertel niedriger als bei normalem Vollbier. Wenn es sich jedoch um speziell für Diabetiker gebraute Biere handelt, ist oft nur der Restzuckergehalt niedriger, die Alkohol-Kalorien verbleiben, wodurch der Unterschied in Sachen Kalorien geringer ausfällt als bei den Leichtbieren. Dafür ist es aber gut für bieraffine Low-Carb-Fans geeignet, da durch den hohen Vergärungsgrad fast keine Kohlenhydrate mehr enthalten sind. 
 Es ist also wieder der Mensch gefragt. In vernünftigen Mengen genossen, macht Bier sicher nicht dick. Insbesondere, wenn man darauf achtet, zum Bier nicht noch besonders nahrhaftes Essen zu sich zu nehmen, sei es die klassische Schweinshaxe oder die Packung Kartoffelchips. Aufgrund seiner sonstigen Inhaltsstoffe ist Bier jedenfalls – abgesehen vom Alkohol, versteht sich – ein gesundes Getränk. Mineralien, Spurenelemente, Vitamine, Hopfenöle, Antioxidantien – hier tummelt sich viel, was der menschliche Körper gut gebrauchen kann. Durch seine isotonischen Eigenschaften (gleicher Druck wie menschliches Blut) sorgt das Bier zudem dafür, dass seine Inhaltsstoffe besonders schnell ins Blut und damit in den Stoffwechselkreislauf gelangen. Deswegen ist ein alkoholfreies Weißbier das beste Sportlergetränk nach kräftezehrenden Wettkämpfen. 
 Studien haben übrigens auch gezeigt, dass Bier förderlich für Haut und Haare ist, sowohl bei innerer, als auch bei äußerer Anwendung. In Japan ließ der Bierbestandteil Procyanidin bei einer Testgruppe Männer sogar auf den Glatzen wieder Haare wachsen. Selbst gegen Krebs und Bluthochdruck soll ein moderater Biergenuss vorsorgen bzw. helfen. Manche Brauereien bieten zudem Bierbäder und weitere Wellnessanwendungen mit Bier und seinen Rohstoffen an, die Finnen schwören gar auf Bier zur Sauna. Insofern geht es also weniger um das ob, sondern eher um das wie des Bierkonsums. Dann gibt’s auch keinen Bierbauch, sondern glatte Haut und glänzende Haarpracht! 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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                                            Im Dezember haben wir auch unseren Bier-Deluxe Club Platinum für euch weiter verbessert, hier seht ihr was im neuen Bier Deluxe Club Platinum letzten Monat enthalten war. Viel Spaß beim genießen!
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                 Im Dezember haben wir auch unseren Bier-Deluxe Club Platinum für euch weiter verbessert, hier seht ihr was im neuen Bier Deluxe Club Platinum letzten Monat enthalten war. Viel Spaß beim genießen! 
 
 RavenKraft Wanderer 
 Tenute Collesi IPA 
 RavenKraft Draufgängerin 
 RavenKraft Zauberin 
 ÜberQuell World White IPA 
 Über Quell Supa Dupa IPA 
 Windswept Wolf 
 Nowhere Brewing Corrosion Cure 
 Piwoteka Smashing Stones 
 Piwoteka Gabinet Iluzji 
 Frejdahl Roulv 
 Ein Spiegelau IPA Glas 
 Das&amp;nbsp;Bier Bars &amp;amp; Brauer Magazin 
 Das Stone Vertical Epic Ale als Überraschung des Monats&amp;nbsp; 
 
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                                            Im Dezember haben wir auch unseren Bier-Deluxe Club Gold weiter für euch verbessert, hier seht ihr was im neuen Bier Deluxe Club Gold letzten Monat enthalten war. Viel Spaß beim genießen! 
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                 Im Dezember haben wir auch unseren Bier-Deluxe Club Gold weiter für euch verbessert, hier seht ihr was im neuen Bier Deluxe Club Gold letzten Monat enthalten war. Viel Spaß beim genießen!&amp;nbsp; 
 
 Craftwerk Tangerine Dream 
 TAPX Marie´s Rendezvous 
 Berliner Schwarze 
 RavenKraft Draufgängerin 
 Köstritzer Witbier 
 ÜberQuell World White IPA 
 Nowhere Brewing Corrosion Cure 
 Windswept Wolf 
 Tenute Collesi Nera 
 Piwoteka Smashing Stones 
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 Gotlands Sleepy Bulldog Pale Ale 
 Das Collesi Glas 
 Das&amp;nbsp; Bier Bars &amp;amp; Brauer Magazin  
 + La Mère Noel als Überraschung des Monats&amp;nbsp; 
 
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                                            Im Dezember haben wir unseren Bier-Deluxe Club Silber für euch weiter verbessert, hier seht ihr was im neuen Bier Deluxe Club Silber letzten Monat enthalten war. Viel Spaß beim genießen! 
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                 Im Dezember haben wir unseren Bier-Deluxe Club Silber für euch weiter verbessert, hier seht ihr was im neuen Bier Deluxe Club Silber letzten Monat enthalten war. Viel Spaß beim genießen!&amp;nbsp; 
 
 Craftwerk Tangerine Dream 
 Vulkan IPA 
 Nowhere Brewing Corrosion Cure 
 Windswept Wolf 
 Berliner Schwarze 
 RavenKraft Draufgängerin 
 Köstritzer Witbier 
 ÜberQuell World White IPA 
 Das Berlin Beer Week Glas&amp;nbsp; 
 Das Bier Bars &amp;amp; Brauer Magazin 
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                            <updated>2018-01-04T14:00:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Munkebo Mikrobryg</title>
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                 Die Munkebo Mikrobryg ist eine kleine Brauerei mit Sitz auf der kleinen dänischen Insel Funen. Sie wurde von Dr. Carl Christensen gegründet, dessen Familie schon seit vielen Generationen Bier braut. Für die Herstellung des Biers werden ausschließlich Rohstoffe aus der Insel verwendet. Unter anderem baut die Brauerei Hopfen und Gerste selbst an. Besonderes Merkmal ist die Wildbienen-Hefe, die den Bieren ein besonderes Aroma verleiht. Ein Schwerpunkt der Craft Beers von Munkebo Mikrobryg liegt auf Ales. 
 Die Munkebo Mikrobryg wurde im Jahr 2013 gegründet. Dazu wurde eine ehemalige Getreidemühle umgebaut. Mittlerweile braut das Unternehmen auch an mehreren Standorten in Europa. Jährlich werden rund 30.000 Liter Bier hergestellt. Bisher wird das Bier fast ausschließlich in Skandinavien sowie in den baltischen Staaten abgesetzt. Die Brauerei nimmt aber bereits den US-Markt ins Visier. Das Brauereigebäude liegt in eine ländlichen Gegend im Dorf Munkebo. Um das Jahr 900 vor Christus lebte in dem Dorf ein Wikingerkönig. Rings um das Brauereigebäude baut die Munkebo Mikrobryg auf einem Feld mit 3000 Quadratmetern ihren eigenen Hopfen an. Dabei werden ausschließlich lokale Sorten aus Funen kultiviert. Je nach Sorte besitzt der Hopfen eine leichte Orangen-Note, besitzt ein Zitrus- oder Ananasaroma. Auch die Gerste wird selbst angebaut und das Wasser stammt ebenfalls von der Insel. Das Bier wird also komplett aus regionalen Zutaten gebraut. 
 Die Brauereifamilie braut bereits seit vielen Generationen auf der Insel Funen Bier gebraut. Der Braumeister Dr. Claus Christensen besitzt einen Masterabschluss in Biologie sowie einen Doktortitel in Gesundheitswissenschaften und gründete im Jahr 2013 die Brauerei. Nach der Universität hat der Braumeister in bei einer Brauerei in Dänemark sowie in den deutschen Alpen gearbeitet, bevor er schließlich die Munkebo Mikrobryg gründete. Dr. Christensen besitzt drei Kinder, einer Weitergabe der Kenntnisse nach Familientradition steht also nichts im Wege. Eine absolute Besonderheit der Brauerei ist die Hefe. Sie wird in einem aufwendigen Verfahren von Wildbienen gewonnen - natürlich absolut tierfreundlich. Die Hefe sorgt für einen besonders charakteristischen und aromatischen Geschmack, den du in allen Biersorten wiederfindest. 
 Die Munkebo Mikrobryg besitzt ein sehr breites Portfolio, sodass bestimmt auch für dich etwas dabei ist. Ein Schwerpunkt liegt auf Ales, wo die spezielle Hefe für ein besonderes Aroma sorgt. Die beliebteste Sorte ist das Starkbier Alstaerk, das bereits zwei Medaillen von internationalen Jurys gewann. Beim Alstaerk handelt es sich um ein Scotch Ale mit 9,4 % Alkoholanteil. Darüber hinaus gibt es weitere Ale-Sorten, beispielsweise das Hjemstavn Danish Ale oder das Valhal (American Pale Ale). Das amerikanische Ale zeichnen sich durch einen besonders hopfigen Geschmack aus. Auch ein bayerisches Weißbier ist von der Mikrobryg erhältlich. Der Alkoholanteil reicht von 5,0 % beim Hjemstavn Danish Ale bis hin zu knapp 10 % bei verschiedenen Strong Ales. Auch ein alkoholfreies Craft Beer gibt es von Munkebo Mikrobryg. 
 Das Bier von der Munkebo Mikrobryg wurde bereits mehrere Male ausgezeichnet. Im Jahr 2014 gewann sie zwei Medaillen bei der Europeen Beer Star, ein Jahr darauf bekam sie die Auszeichnung zur besten dänischen Brauerei. In den darauffolgenden Jahren kamen unter anderen der Innovationspreis von der Kerteminde Business Association für die Verwendung von lokalen Rohstoffen und die Silbermedaille beim Barcelona Beerfestival hinzu. 
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Haandbryggeriet</title>
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                 Mit dem Ziel, besonders hochwertiges Bier zu brauen, wurde Haandbryggeriet im Jahre 2005 von vier Freunden, die allesamt Bierbrauer sind, im norwegischen Drammen gegründet. Nachdem im Jahr 2016 zwei der Gründer aus dem Unternehmen ausgeschieden sind, gehört die Craft Beer Brauerei heute einem Konsortium aus den zwei übrigen Gründungsmitgliedern, einigen Angestellten und drei anderen norwegischen Craft Beer Brauereien. Zur Herstellung der Biere werden nur beste Zutaten und Wasser aus dem Glitre See verwendet. Auf Filterung oder Pasteurisierung der Craft Beers wird gänzlich verzichtet. Haandbryggeriet braut eine Vielzahl von Bieren, die vom traditionellen Craft Beer über neue und innovative Biere bis hin zu Hybrid-Bieren reicht. Insgesamt 28 verschiedene Biersorten befinden sich im Sortiment der Brauerei, darunter auch Ale, Sour Beer und Barrel Aged Beer. Im Jahr 2014 konnte Haandbryggeriet eine Rolec Craft Beer Brauanlage installieren, die das Brauen von Lager Yeast Bier, einer besonders untergärigen Sorte, erlaubt. Seit 2016 gibt es eine extra Anlage, die sich nur um die Produktion von Sour Beer kümmert. In den zehn bedeutendsten Städten Norwegens werden Haandbryggeriet Biere in Bars, Restaurants und Supermärkten vertrieben. Selbst in London gibt es Bars und Verkaufstellen für die Produkte der norwegischen Craft Beer Brauerei. 
 In der norwegischen Kleinstadt Drammen, direkt am malerischen See Glitre gelegen, liegt der Sitz der Haandbryggeriet Craft Beer Brauerei. Mit 28 verschiedenen Sorten Bier findest Du eine Bandbreite von Craft Beers, wie sie für so eine kleine, traditionelle Brauerei nicht alltäglich ist. Dabei wird für die Zutaten der Biere nur allerbeste Qualität verwendet und Wasser aus dem eigenen See direkt vor der Haustüre. Alle Biere sind naturbelassen, weder pasteurisiert noch gefiltert. 
 Für jeden Biergeschmack bietet Haandbryggeriet das entsprechende Craft Beer. Wenn Du an sehr stark alkoholhaltigen Bieren interessiert bist, solltest Du das Odins Tipple mit 10,5% Vol/Alc probieren. Das Imperial Stout ist ein tiefschwarzes Bier, das nur mit Hopfen, Röstmalz, Hefe und Wasser gebraut wird und Noten von Kaffee und Schokolade aufweist. Weniger süffig, aber mit 9% Vol/Alc nicht weniger stark, ist das Haand Granat - ein Dobbel Ipa, das durch den starken Hopfenanteil frisch und leicht bitter schmeckt und eine wahre Geschmacksexplosion auf Deinem Gaumen entfachen wird. Neben Wasser, Malz gemalztem Weizen und Hopfen geben Himbeeren diesem Craft Beer seinen einzigartigen Geschmack. 
 Auch Freunde der belgischen Braukunst kommen bei Produkten der norwegischen Haandbryggeriet auf ihre Kosten. Wenn Du leichte, frische und spritzige Biere bevorzugst, sind die Belgian-Style-Beers sicher etwas für Dich. Es gibt sie als klassisches Belgian Wit mit geringem Alkoholgehalt von 4,5% Vol/Alc oder etwas kräftiger als Belian Double Wit mit 6% Vol/Alc. Während das leichte Haand Wit mit ungemaltem Weizen, Zitrone und Koriander gebraut wird und ideal zu Hühnchen, Fisch oder Meeresfrüchten passt, solltest Du Dir das Haand Double Wit können, wenn Du es etwas würziger magst. Mit seiner würzig-fruchtige Note von Orange, Zitrone und Koriander ist dieses Craft Beer der ideale Begleiter zu Fisch und Käse. 
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            <title type="text">Trappistenbiere</title>
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                 Vor allem die belgischen Klöster haben die eigene, mittelalterliche Bierkultur einerseits bewahrt, aber auch andererseits moderne Varianten ihrer Bierstile entwickelt. Unter diesen sogenannten Abteibieren spielen die Trappistenbiere eine besondere Rolle. Deren Orden ging aus einer Abspaltung der Zisterzienser hervor, die wiederum aus dem Benediktinerorden entstanden sind. Deren Grundsatz „ora et labora et lege“ (bete, arbeite und lies) pflegen auch die in Abgeschiedenheit und Askese lebenden Trappisten und verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit. Neben Käse und Marmeladen gehören auch Biere zu deren Produkten, die wiederum zu den besten der Welt zählen. 
 Aufgrund der Kriege infolge der Französischen Revolution geriet das Gebiet des heutigen Belgiens unter die Kontrolle des westlichen Nachbarlandes und alle Klöster wurden aufgelöst. Nach der belgischen Unabhängigkeit 1830 folgten deren Wiedergründungen, doch erst ein Jahrhundert später wurde in allen Trappistenabteien wieder Bier gebraut. Als diese nach dem Zweiten Weltkrieg begannen, ihre Biere auch auf dem freien Markt anzubieten, rief der große Erfolg einige Trittbrettfahrer auf den Plan, wogegen die Abtei Orval schließlich 1962 einen Schutz durch die belgische Handelskammer durchsetzen konnte. Ein echtes Trappistenbier erkennt man seitdem an einem sechseckigen Symbol auf dem Etikett mit der Inschrift „Authentic Trappist Product“. 
 Mittels dieses Gütesiegels ist gewährleistet, dass das Bier in einem Kloster oder seiner direkten Umgebung unter Aufsicht der Mönche hergestellt worden ist. Die sieben ursprünglichen der heutigen zwölf Trappistenbrauereien liegen in Belgien und den Niederlanden, allerdings kamen in letzter Zeit internationale Neu- bzw. Wiedergründungen hinzu. Für ihre Biere verwenden die Mönche das alte Schema der belgischen Bierwelt. Neben dem einfachen Blond (hell) gibt es ein stärkeres Dubbel (dunkel) und ein noch kräftigeres Tripel (hell). Daneben gibt es noch stärker eingebraute Varianten des Dubbels, die gerne als Quadrupel bezeichnet werden, und ganz eigenständige Biere wie beispielsweise das Orval. 
 Letzteres entsteht in drei Schritten: Bei der Hauptgärung mit obergäriger Hefe geben die Mönche flüssigen Kandiszucker hinzu, für die Nachgärung benutzen sie einen Cocktail von zehn verschiedenen Hefestämmen, darunter die wilde Brettanomyces-Hefe, bevor das Bier bei der Abfüllung in Flaschen erneut eine Kandiszuckergabe erhält. Die Nachgärung erhöht den Alkoholgehalt in der Flasche weiter und gibt dem Bier ein spannendes, vielfältiges Aroma, das je nach Alter stark schwankt. 
 Am seltensten und für viele auch am besten ist das Westvleteren-Bier der Sankt-Sixtus-Abtei in Vleteren. Abgesehen von gelegentlichen Chargen, die auf Umwegen bei Händlern landen, wird der Gerstensaft direkt über ein „Biertelefon“ der Abtei (+32 7021 00 45) vertrieben. Der Glückliche, der durchgekommen ist, nennt dem Mönch am anderen Ende der Leitung sein Kfz-Kennzeichen und erhält ein Datum und eine Uhrzeit, zu der er mit dem Auto vorbeikommen darf, um maximal zwei Kisten à 24 Flaschen zu erstehen. Es ist dabei dem Zufall oder Schicksal überlassen, welche der drei Sorten des Trappistenbieres gerade verfügbar ist. Kunden müssen ihr Ehrenwort geben, das Bier nicht weiterzuverkaufen. Gerade das stärkste Westvleteren-Bier, das Quadrupel mit der lateinischen Ziffer 12 (XII) auf dem Kronkorken, ist besonders beliebt und gilt seit 2005 in zahlreichen Rankings als bestes Bier der Welt. 
 Über dunkle Kanäle gelangen immer wieder kleine Mengen in den deutschen Bierhandel, wo die 0,33 l-Flasche dann über 20 Euro kosten kann, mehr als das Zehnfache des Preises in der Abtei. Übrigens stellen die Brauer in der Sankt-Sixtus-Abtei ihre beiden stärksten Biere wie früher aus einer Maische her. Der erste Guss ergibt das Westvleteren 12, der zweite das Westvleteren 8. Früher stellten sie mit einem dritten Guss noch ein Westvleteren 6 her, das heute als Westvleteren Blond aber mit hellem statt dunklem Malz als eigenes Bier für den Konsum in der Abtei ausgeschenkt wird. 
 Nicht in jeder Abtei werden alle Bierstile gebraut, manche stellen nur ein einziges Bier her. Die Bezeichnungen Dubbel und Tripel rühren von der mittelalterlichen Praxis, die Fässer nach dem Befüllen mit Kreide zu kennzeichnen, damit nachvollziehbar blieb, welches Bier sich darin befand. Nachdem ein Großteil der Bevölkerung Analphabeten war, machten die Brauer einfach Kreuze auf das Holz. Zwei Kreuze meinten ein im Verhältnis zum normalen Bier stärkeres Gebräu, drei Kreuze ein nochmals kräftigeres Getränk. Im Volksmund ist daraus „Dubbel“ und „Tripel“ geworden. Das „Quadrupel“ ist eine Neuschöpfung für dunkle Starkbiere mit mehr als 10% Alkoholgehalt, erstmals verwendet für das stärkste Bier der Abtei La Trappe. Andere Bezeichnungen für solche Biere sind „Grand Cru“ oder „Belgian Strong Ale“. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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                            <updated>2017-11-24T15:00:00+01:00</updated>
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            <title type="text">Bierland Belgien</title>
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                 Neben Großbritannien und Deutschland gehört auch Belgien zu den Ländern, die auf einer Weltkarte der Bierkultur besonders hervorgehoben werden müssen. Allerdings umfasst das Gebiet, um das es geht, nur im Kern das heutige Belgien, ferner gehören auch Teile der heutigen Niederlande und Nordostfrankreichs dazu. Bis zur Blüte des hanseatischen Bierhandels ab dem 14. Jahrhundert brauten die belgischen Hausfrauen wie auch anderorts für den Hausbedarf selbst, während einige Klöster mit dem Bierhandel begannen. Die Brauer unterlagen dem Gruitrecht (Zwang zur Nutzung einer Kräutermischung, auf die der Kaiser Steuern erhob), allerdings teilte die Gesetzgebung Karls IV. das Land: Die zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörenden Brauer östlich der Schelde waren ab 1364 angehalten, ihr Bier mit Hopfen (statt der Kräutermischung Gruit) zu brauen, die westlich gelegenen Städte Brügge, Gent und Tournai hingegen blieben beim Gruitzwang. 
 Inspiriert vom großen Erfolg der deutschen Hansestädte mit ihrem Exportschlager Bier gaben die belgischen Handelsstädte schließlich das Braurecht frei, infolgedessen sich mehr und mehr Brauereien gründeten. Brügge beispielsweise verzeichnete im 15. Jahrhundert etwa 50 Braustätten, um 1680 waren es bereits 425. Zwischen 1620 und 1640 produzierte alleine die Provinz Holland jährlich über zwei Millionen Hektoliter Bier. Durch die erheblichen Weizenüberschüsse, die insbesondere im flämischen Teil des heutigen Belgien traditionell erwirtschaftet wurden, entwickelte sich mit dem Witbier (Weizenbier) ein erster eigener Bierstil im Gegensatz zu dem sonst üblichen Gerstenbier, das in Belgien als Rotbier bezeichnet wurde. Der verwendete Weizen war allerdings in der Regel unvermälzt, weswegen die Rezepturen immer mindestens 30–40% Gerstenmalz für eine ausreichende Menge Enzyme enthalten mussten. Das bekannteste Witbier der alten Zeit entstand in Leuven unweit von Brüssel. Die dortige Hochschule, die 1425 gegründete Katholieke Universiteit, hatte sich einen guten Ruf als Ausbildungsstätte für Brauer erworben. 
 Die Brauer begannen meist noch vor dem Morgengrauen, damit sie bis zum Abend und der kühlen Nacht fertig werden konnten. Die Gärgefäße stellten sie an gut belüfteten Standorten auf und halfen teils auch mit handbetriebenen Ventilatoren nach, damit die Würze schneller abkühlen konnte. Nachdem das Witbier schnell sauer wurde, musste es sommers innerhalb von zwei, winters bis fünf Wochen getrunken werden. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich in allen größeren Städten der Region – lokale, oft durch die vorhandenen Rohstoffe bedingte – Bierrezepturen wie beispielsweise Hoegaarden und Oudenaarde. Allerdings bekam das Bier, zumindest in der reichen Bürgerschaft, zur selben Zeit eine große Konkurrenz: Tee, Kaffee und Kakao überquerten dank der Handelskompanien die Weltmeere und eröffneten der heimischen Bevölkerung neue Geschmackshorizonte. Während die Brauer sich andernorts nur auf Malz und Hopfen konzentrierten, entstand in Belgien aus dem oben erwähnten Verfahren eine ganz besondere Art von Bier, das Sauerbier, namentlich spontanvergorenes »Lambic«. In der Regel landeten wie oben beschrieben maximal 70% meist Gerstenmalz und mindestens 30% meist roher Weizen im Sudkessel, dazu gealterter Hopfen, der kaum noch Bitterstoffe enthielt. Nach dem Brauen stand die Würze für einige Stunden bei Zimmertemperatur in einem offenen Bottich oder Trog, der das „Einfangen“ wilder Hefen aus der Luft ermöglichte. 
 Anschließend füllten die Brauer das Bier in Eichen- oder Kastanienfässer ab, wo es jeweils einem unterschiedlichen Gärungs- und Reifungsprozess unterlag, der Jahre dauern konnte. Klassische Bierhefe sorgte für einen Alkoholgehalt von ca. 5%, während wilde Hefen wie Brettanomyces bruxellensis und Brettanomyces lambicus den restlichenZucker im Anschluss vergoren. Dadurch dass das Verfahren auf eine für wilde Hefen günstige Umgebungstemperatur angewiesen war, konnte Lambic nur im Frühling oder Herbst gebraut werden. Die Bezeichnung rührt entweder von dem südwestlich von Brügge gelegenen Ort „Lembeek“ her, wo es ein steuerbefreites Gebiet mit über 40 Brauereien gab, oder von der historischen Bezeichnung „alambic“ für den Maischebottich, oder aber vom lateinischen „lambere“ (in kleinen Schlucken trinken). Das Lambic, ein trockenes, säuerliches und kohlensäurearmes Bier, wird in Belgien auch heute noch gerne getrunken, allerdings meist nicht pur, sondern weiterverarbeitet. 
 Bekannt ist die Gueuze, eine Mischung aus unterschiedlich alten Lambics, die in Flaschen gefüllt dank einer zweiten Gärung Kohlensäure entwickeln (Champagnermethode). Wenn der Trunk dem Konsumenten zu sauer war, gab er üblicherweise etwas Kandiszucker, Karamell, Gewürze oder Melasse dazu, um ihn zu süßen. Beliebter war vor allem im 19. Jahrhundert das Faro. Hier verschnitten die Brauer ebenfalls verschieden alte Lambics, gaben aber bereits vor der Flaschenabfüllung Kandiszucker hinzu, ohne eine weitere Gärung anzustoßen. Dadurch hatte das Bier am Ende einen süßlichen Geschmack und einen niedrigeren Alkoholgehalt. 
 Das Aushängeschild der heutigen Lambic-Kultur ist jedoch das Kriek- Bier. Dabei werden dem Lambic im Holzfass 20% Sauerkirschen (Krieken) zugegeben, die dann zwischen drei Monaten und eineinhalb Jahren mitvergären bzw. durch ihren Fruchtzucker eine weitere Gärung anstoßen. Das Ergebnis ist ein trockenes, saures und nach einer weiteren Flaschengärung sehr spritziges Bier. Heutzutage geben die Brauer auf diese traditionelle Weise hergestellten Kriek-Bieren den Namen „Oude Kriek“, denn es haben sich andere Varianten eingebürgert, bei denen entweder Zucker zugegeben oder statt mit Früchten mit Fruchtsaft gearbeitet wird. Das Ergebnis hierbei sind dann süße Fruchtbiere. Neben Kirschen verwenden manche Brauereien auch Himbeeren (Framboise) oder andere Früchte. Als weitere Sauerbiere seien noch das „Oud Bruin“ und das „Flanders Red“ erwähnt, die ähnlich dem Lambic hergestellt werden, aber in der Regel durch Milchsäurebakterien eine intensivere Säure aufweisen. Zusätzlich machen sich die starken Tannin-Noten aus dem Holzfass bemerkbar und rücken die Biere sensorisch in die Nähe von gutem Rotwein. Um die Lambic-Biere entwickelte sich in Belgien eine komplette Kultur – inklusive Malerei und Literatur, das Sauerbier gehört einfach zum belgischen Lebensgefühl. 
 Ein weiterer einzigartiger belgischer Bierstil ist das „Saison“, dessen Wurzeln in saisonalen Suden kleiner landwirtschaftlicher Brauereien der heutigen belgischen Region Wallonie liegen, die nur für ihre eigenen Zwecke brauten. Sie entwickelten Biere, die sie noch zur kalten Jahreszeit brauen und dann über den Sommer an ihre Erntearbeiter ausschenken konnten. Bei der Gärung wurden neben obergärigen Hefestämmen auch Milchsäurebakterien verwendet, die dem Bier durch die leichte Säure eine verlängerte natürliche Haltbarkeit verliehen. Zudem wurden deren Noten, die denen des Weins nicht unähnlich waren, sehr geschätzt. Nach und nach setzte sich auch die Zugabe von Kräutern und später Hopfen durch, was die Biere einerseits weiter stabilisierte und andererseits für angenehme Aromen sorgte. Zu guter Letzt setzten die Brauer auch auf eine höhere Stammwürze und damit einen höheren Alkoholgehalt, der sich nochmals positiv auf die Lagerfähigkeit auswirkte. Gebraut wurde in der Wallonie während der Adventszeit, weswegen manche das Produkt auch „Bière des Avents“ bezeichneten, und im März, weil die Bauern zu dieser Zeit keine anderweitigen Aufgaben zu verrichten hatten. Auch aus anderen Regionen kennt man das Brauen im November, wo die jeweiligen Sude die Bauernfamilien zu wahren Braufesten inspirierten. Getrunken hingegen wurden die Saisonbiere schließlich von Mai bis September. Doch es gab nicht nur halbjährig gelagerte Biere. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass auch Lagerzeiten von eineinhalb bis zwei Jahren üblich waren. Oft schmeckten die intensiv gehopften Biere nach der längeren Reifung deutlich besser. 
 Nach dem Ersten Weltkrieg waren fast alle belgischen Brauereien zerstört – oder die Kupferkessel von den deutschen Besatzern für die Rüstungsproduktion eingezogen worden. Gut die Hälfte der Betriebe hat sich hiervon nicht mehr erholt. Zudem drängten die englischen und deutschen Biere über die Grenze, und bis auf „Saison“ und „Lambic“ verschwanden fast alle ursprünglichen Bierstile vom belgischen Markt. 
 Doch der Durst der Belgier blieb. Ihr Pro-Kopf-Verbrauch lag 1919 bei 221 Litern, während es in Großbritannien nur 123 und Deutschland lediglich 105 Liter waren. Die Holländer dagegen hatten dem Gerstensaft den Rücken gekehrt und tranken nur noch 27 Liter Bier pro Jahr. Um den Importbieren etwas entgegenzusetzen, entschlossen sich die belgischen Brauer, hochprozentige Biere in Flaschengärung mit zusätzlicher Zucker- und Hefegabe herzustellen, und die ebenfalls aufkommende Werbeindustrie stilisierte diese Biere zu den typisch belgischen Nationalgetränken. Dabei half indirekt auch Justizminister Émile Vandervelde mit, der 1919 den Verkauf von Spirituosen in Bars verbot und damit die Brauereien zusätzlich anspornte, Biere mit höherem Alkoholgehalt herzustellen – das Gesetz hatte bis 1983 Bestand. 
 Im Zweiten Weltkrieg sank der Alkoholgehalt hingegen auf magere 0,8%, und viele Brauereien mussten ihre Sudkessel erneut an die Besatzer abgeben. Nach dem Krieg setzte sich in Belgien endgültig die untergärige Produktionsweise durch und das Pils wurde zum Bestseller auf dem belgischen Biermarkt. Dieser erlebte in den Folgejahren einen erheblichen Konzentrationsprozess durch Firmenaufkäufe und Brauereizusammenschlüsse. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Brauerei Artois aus Leuven zum „Stammhaus“ und langjährigen Firmensitz der heute weltgrößten Brauereigruppe AB-InBev auserkoren wurde. Mit den Blumenkindern der 1968er kehrte das Bewusstsein für die kleinen, ursprünglichen Brauereien wieder zurück. Ein Jahrzehnt später entdeckte der britische Bierexperte und Sachbuchautor Michael Jackson die kleinteilige belgische Bierkultur wieder und sorgte mit seinen Lobeshymnen für internationale Bekanntheit von Lambic- und Trappistenbieren. So gelangten die Sauerbiere in die Vereinigten Staaten, und natürlich waren die Anhänger der Craft-Beer-Bewegung von diesen begeistert. Im Gegenzug gelangten die Ideen der Hopheads und ihre Bierstile nach Belgien, die neben den traditionellen zur Gründung neuer Brauereien führten, woraufhin die Bier-Cafés eine große Renaissance erlebten. Als Beispiel sei nur das Delirium-Café in Brüssel erwähnt, das mit über 3.100 angebotenen Biersorten einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde hat. Von den etwa 3.300 belgischen Brauereien um 1900 gab es nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch 775, heute beläuft sich deren Zahl auf 230. Gleichwohl hat es der nationale Brauereiverband geschafft, 2016 die belgische Bierkultur in die Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes aufnehmen zu lassen. Seitdem gehört das Bier auch offiziell zum kulturellen Erbe der Menschheit – den Belgiern sei Dank! 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Die Craft Beer Geschichte</title>
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                                            Schon bevor Jimmy Carter das Hausbrauen nach 43 Jahren 1978 erneut legalisierte, hatten viele Amerikaner in ihren Kellern und Kochtöpfen mehr oder weniger heimlich mit Bäckerhefe Bier gesiedet.
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                 US-Haus- und Mikrobrauer 
 Schon bevor Jimmy Carter das Hausbrauen nach 43 Jahren 1978 erneut legalisierte, hatten viele Amerikaner in ihren Kellern und Kochtöpfen mehr oder weniger heimlich mit Bäckerhefe Bier gesiedet. Mit dem Erlass des Präsidenten war nun der Weg geebnet, in den einzelnen Bundesstaaten das Brauen zu Hause wieder zu genehmigen – zuletzt waren dies Alabama und Mississippi 2013. Damit hatte das beliebte Staatsoberhaupt den Weg für eine Bewegung geebnet, die ausgehend von den USA bald die Welt erfassen sollte: das Craft Brewing. 
 Mit dem Begriff artikulierten die US-Haus- und Mikrobrauer vor allem die Idee,  ein Bier jenseits des Einheitsgeschmackes der Erzeugnisse von nur noch wenigen US-Großbrauereien herzustellen.  Spätestens mit der Einführung des ersten „Lite“-Bieres von Miller stand in den Regalen der Getränkemärkte fast nur noch „Near Water Beer“, wie die Amerikaner es spöttisch nannten. In Anlehnung an das meistkonsumierte Getränk der Welt – Wasser – und den wissenschaftlich ermittelten  Mainstreamgeschmack  hatten die großen Brauereien wie Miller und Anheuser-Busch den perfekten Durstlöscher geschaffen – das Bier-Aroma blieb beim Herstellungsprozess allerdings weitestgehend auf der Strecke. 
 Sie begannen mit Pale Ale, IPA, Stout und Porter 
 Neben der Sensorik war den Craft-Brauern aber auch die Biererzeugung wichtig. Denn jenseits des industriell gefertigten Mainstream-Bieres fanden sich auf dem Markt nur noch wenige Exoten wie das „Yuengling Porter“, das „Ballantine India Pale Ale“ und das „Augsburger“, ein kräftiges deutsches Bier von Huber Brewing. Bei ihren Rezepturen erinnerten sich die Hausbrauer an diese  besonderen Biere  und ihre eigenen  familiären Wurzeln.  Die lagen entweder in  Großbritannien oder Deutschland.  Allerdings ließen sich die englischen Stile wegen der dafür verwendeten obergärigen Hefe, die ohne zusätzliche Kühlung auskam, wesentlich leichter brauen als die untergärigen deutschen Biere. Deswegen standen also erst einmal Pale Ale, IPA, Stout und Porter auf dem Programm der Craft- und Heimbrauer. 
 Charlie Papazian und die Association of Brewers 
 Als einer der Gründerväter der Craft-Bewegung wird Charlie Papazian gesehen, der heute der Präsident der amerikanischen  Brewer’s Association  ist. Papazian hatte während des Studiums einen Hausbrauer kennengelernt, daraufhin selbst erste Versuche unternommen und 1972 die Universität von Virginia in Charlottesville als frischgebackener Bachelor der Nuklearwissenschaften verlassen. Wie viele andere Intellektuelle seiner Zeit fühlte er sich in der Welt an der Ostküste nicht wohl und zog nach Colorado, um dort in einem Kindergarten Vorschulunterricht zu geben. Nach der Arbeit zog es ihn an seine Brautöpfe und schon 1976 veröffentlichte er mit „Joy of Brewing“ sein erstes Buch zum Thema Bier mit insgesamt 78 Seiten. Im Jahr der Legalisierung gründete Papazian die American Homebrewers Association, bei der Interessierte für 2,50 Dollar sein Buch erstehen oder für vier Dollar im Jahr Mitglied werden konnten – ein vergünstigtes Buch inbegriffen. Insbesondere der Stil, mit dem Charlie Papazian seine Leser in die Thematik des Bierbrauens einführte, begeisterte sein Publikum:  „Relax. Don’t worry. Have a homebrew. Making quality beer is EASY!“  
 Papazian gründete weitere wichtige Institutionen wie die Association of Brewers (1979), die 2005 mit der altehrwürdigen Brewer’s Association of America zur  Brewer’s Association  unter seiner Führung verschmolz, das Institute for Brewing Studies und den Verlag der Association, Brewers Publications (1986). Außerdem legte er den Grundstein für das Great American Beer Festival (1982) und den wichtigsten Bierwettbewerb der Welt, den World Beer Cup (1996). 
 McAuliffe und die erste Craft-Brauerei der USA 
 Zwei weitere wichtige Pioniere des Craft Brewings sind Jack McAuliffe und Fritz Maytag. McAuliffe war der Sohn eines US-Geheimdienstmitarbeiters, der in Südamerika erst gegen Deutschland spioniert und dann die amerikanischen Interessen in Honduras und Kolumbien vertreten hatte. 1964 verpflichtete sich er sich als 19-Jähriger bei der Marine und diente in Schottland, wo ihn vor allem die lokale Bierkultur begeisterte. Er kaufte sich ein Exemplar der   britischen Hausbrauerbibel „The Big Book of Brewing“  von Dave Line und begann, auf seiner Stube Bier zu brauen. Das Ergebnis schmeckte sowohl seinen Kameraden als auch den Einheimischen. Nach dem Ende seines Militärdienstes kehrte McAuliffe in die USA zurück, absolvierte eine Ausbildung zum Feinoptiker und erhielt 1971 eine Anstellung in Sunnyvale, Kalifornien. Doch die Faszination des Brauens ließ ihn nicht los. 1975 kündigte er und begann mit 5.000 Dollar Startkapital in einer umgebauten Lagerhalle mit selbst gebastelten Utensilien zu brauen. 
 Mit zwei Partnern, Suzy Stern und Jane Zimmermann, gründete McAuliffe schließlich ein Jahr später im Oktober  New Albion Brewing, die erste Craft-Brauerei der USA.  Die Brauanlage hatte er aus ausgemusterten Sirup-Lagertanks eines Limonadenherstellers mit 200 Litern Fassungsvermögen, einer Flaschenwaschmaschine aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und einem Etikettierer von 1910 zusammengeschraubt. New Albion stellte pro Woche 821 Liter Bier her. Die Sorten Pale Ale, Porter und Stout, allesamt nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und in der Flasche vergoren, machten schnell die Runde, und Berichte in der „New York Times“ und „Washington Post“ folgten. Ein Bier ohne die Zugabe von Enzymen, Maisgries und Stabilisatoren war in den USA der 1970er-Jahre nahezu unbekannt. Dies und nicht zuletzt die durchschlagende Wirkung der im Vergleich zu den Lite Beers wesentlich alkoholstärkeren New-Albion-Biere begeisterte die Kundschaft. Wirklich profitabel wurde das erste amerikanische Craft-Unternehmen allerdings nie und musste im November 1982 seine Pforten schon wieder schließen. 
 Fritz Maytag und die Anchor Steam Brewing Company 
 Fritz Maytag, wohlhabender Spross einer Dynastie von Waschmaschinenfabrikanten, verzweifelte 1955 nach seinem Abschluss an der Deerfield Academy in Massachusetts ebenfalls an der Engstirnigkeit der Ostküsten-Bevölkerung und brach 1959 zu einem Studium an der Stanford University in Kalifornien auf. Dort studierte er Japanisch, verließ die Universität allerdings 1964 ohne Abschluss. Konfrontiert mit der zu dieser Zeit im Entstehen begriffenen Hippie-Bewegung vor Ort, dachte er über verschiedene Möglichkeiten nach, sein Vermögen in sinnvolle und nachhaltige Projekte wie beispielsweise die Entwicklungshilfe zu investieren. Im August des Folgejahres berichtete ihm ein gut bekannter Cafébesitzer, Fred Kuh, dass die unweit von San Francisco gelegene  Anchor Steam Brewing Company  zum Verkauf stehe. Kuh war einer der letzten Kunden der 1896 gegründeten Brauerei, die in den Jahren seit 1959 einen stetigen Niedergang des Absatzes und der Qualität hinnehmen musste. 
 Nach einer kurzen Besichtigung hatte Maytag das Braufieber gepackt und er kaufte den bisherigen Mehrheitseigentümern ihren Anteil von 51% ab. Nun war er stolzer Besitzer einer durch und durch maroden, verschuldeten Brauerei mit 700 Hektolitern Jahresausstoß. Kaum einer der Kneipenbesitzer, denen er sein Bier verkaufen wollte, glaubte, dass er wirklich der neue Eigentümer war – die meisten hielten ihn für einen Hochstapler oder Geisteskranken. Die wenigen, die ihm glaubten, versicherten ihm jedoch, dass das saure Anchor-Bier so ziemlich das Letzte sei, was sie ihren Gästen jemals anbieten würden. Desillusioniert kehrte Fritz Maytag in seine Brauerei zurück und beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. 
 Als kleiner Junge hatte er ein Mikroskop geschenkt bekommen, um das herum er nun ein Labor aufbaute. Mithilfe von Lehrbüchern, seinem Mentor John Borger und der Brewer’s Association of America arbeitete er sich in das Bier-Business ein. Beseelt von dem Willen, das beste Bier der Welt zu brauen, kaufte er 1969 auch noch die restlichen 49% der Brauerei, modernisierte die Ausrüstung und  importierte seine Rohstoffe aus Europa.  Im Gegensatz zu den industriellen Großbrauereien setzte Maytag auf Hopfendolden statt Extrakt und pasteurisierte sein Bier nur 15 Sekunden anstatt der sonst üblichen 15 Minuten. Mit neuem Rezept und verändertem Brauverfahren gelang es ihm, das alte Steam Beer wiederzubeleben. Die heißen Temperaturen in Kalifornien hatten weder Natureis noch kaltes Wasser für die Brauer zu bieten und so waren sie gezwungen, ihr untergäriges Bier bei relativ hohen Temperaturen zu vergären, wobei das Jungbier stark schäumte und so den Namen Dampfbier prägte. Innerhalb weniger Jahre führte Maytag seine Brauerei zu neuer Blüte und wurde einer der Pioniere der Craft-Beer-Bewegung. Dem erfolgreichen Steam Beer stellte er weitere Sorten zur Seite: 1972 das erste US-Porter seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1975 das  »Old Foghorn«,   das erste Barleywine auf dem amerikanischen Markt überhaupt, und im selben Jahr mit dem  »Liberty Ale« auch noch das erste India Pale Ale, wenngleich die Bezeichnung IPA für Craft-Bier erstmals 1983 von Bert Grant in Yakima genutzt wurde. 2010 verkaufte Maytag seine Anteile und widmet sich heute Blauschimmelkäse und Wein. 
 Die Craft-Brauereien-Verbreitung in USA 
 Zu Beginn der 1980er-Jahre gab es bereits über zwei Millionen Hausbrauer in den USA, von denen immer mehr aufgrund der Abschaffung der immensen Lizenzkosten Kleinst- und Kleinbrauereien gründeten. Vor allem die intensive Nutzung von Hopfen zeichnete die erste Begeisterungswelle aus, weswegen sich die enthusiastischen Hobbybrauer selbst als »Hopheads« bezeichneten. Dies war in der Jazz-Szene der 1920er-Jahre noch der Begriff für einen Konsumenten verschiedenster Drogen, welche die jungen Bierfreaks nun mit dem Hopfen tauschten. Sie hatten für ihre Brauversuche die Kalthopfung, das Dryhopping, für sich wiederentdeckt und gaben große Mengen Hopfen in das gärende oder lagernde Bier. Nutzten die Brauer des ausgehenden Mittelalters das Hopfenstopfen, wie die Kalthopfung auch gerne genannt wurde, noch zur Aromatisierung missratener Sude und zur Verlängerung der Haltbarkeit, ging es nun vor allem um die Steigerung des Aromas und der Bitterkeit. Die Hausbrauer wetteiferten darum, wer die kräftigste Hopfennote präsentieren konnte. 
 Als eine der ersten Brauereien ging der von den beiden Hobbybrauern Ken Grossman und Paul Camusi 1979 im kalifornischen Chico gegründete Betrieb  »Sierra Nevada«  aus der Heimbrauerszene hervor. Sie präsentierten mit ihrem »Pale Ale« 1980 und dem IPA »Celebration« ein Jahr später als zweite Brauerei nach Anchor intensiv hopfengestopfte Biere auf dem US-Markt, für die sie als Erste eine neue Hopfensorte namens  Cascade  nutzten, deren  kräftige Zitrus- und-Grapefruitaromen   die Kunden begeisterten. Während die Hopfenöle, in denen diese Aromen enthalten sind, normalerweise beim Kochen des Bieres großteils verdunsten, gelangen sie beim Kalthopfen mit voller Intensität ins Bier. Wie bereits erwähnt, folgte Bert Grant 1983 mit seinem „Grant’s India Pale Ale“, gestopft mit Cascade- und Galena-Hopfen, über das der berühmte Bierautor Michael Jackson nach seinem ersten Schluck sagte:  „I was just stunned by the bitterness of it. I thought, Christ, he’s really going to do this. Bert really expects peoply to buy this?“   Zahlreiche weitere Bierfreaks folgten in den nächsten Jahrzehnten und starteten mit eigenen Unternehmen ins Craft-Beer-Business. Bekannte Namen sind:Boston Beer Co. (1984), New Belgium Brewing (1991), Deschutes Brewery (1988), Bell’s Brewery (1983),  Stone Brewing Co. (1996),  Dogfish Head Craft Brewery (1995),  Brooklyn Brewery (1988),    Firestone Walker Brewing Co. (1996)  und  Rogue Ales (1988).    Im Jahr 2000  erreichte die Gründungswelle mit insgesamt  1.566 Brauereien in den USA  einen ersten Höhepunkt,   2015  überschritt die Zahl mit  4.548 Unternehmen   erstmals wieder die alte Höchstmarke von 4.131 Betrieben aus dem Jahr 1873. Mittlerweile gibt es über 5.000 Craft-Brauereien in den USA, Tendenz weiter steigend. 
 Die US-Definition 
 Der Begriff ist in den USA seit Kurzem auch klar definiert:  Eine Craft-Brauerei muss klein und unabhängig sein sowie mit traditionellen Methoden arbeiten. Klein bedeutet, dass die Brauerei weniger als sechs Millionen Barrel Bier (7,14 Mio. hl) pro Jahr herstellt.  Mit deutschen Maßstäben ist das schwer zu fassen, denn nur drei Braukonzerne übertrafen 2016 in Deutschland diese Zahl: die Radeberger Gruppe (11,5 Mio. hl), Anheuser-Bush InBev (10,7 Mio. hl) und die Oettinger Brauerei (9,2 Mio. hl). Diesen Branchenriesen folgten die Bitburger Braugruppe (7 Mio. hl) und Krombacher (6 Mio. hl). Unabhängig meint im Falle der US-Definition, dass weniger als ein Viertel der Anteile in Händen einer industriellen Nicht-Craft-Brauerei sind. Und traditionell schließlich bedeutet, dass der Großteil der Biere einer Craft-Brauerei seine Aromen aus der Verwendung traditioneller oder innovativer Rohstoffe und ihrer Vergärung erhalten soll. Neben diesen drei obligatorischen Punkten sollen sich die  Craft-Brauereien durch Innovation, Handwerkskunst und Wohltätigkeit   auszeichnen. 
 Zwischen den Craft-Brauereien unterscheidet die Brewer’s Association noch zwischen „Microbreweries“, Brauereien, die weniger als 17 600 Hektoliter pro Jahr herstellen und mindestens drei Viertel ihres Biers im Handel verkaufen, »Brewpubs«, Gasthausbrauereien, die mehr als ein Viertel ihrer Biere im Haus verkaufen, und »Regional Craft Breweries«, unabhängige Unternehmen, die einen Großteil ihrer Biere auf traditionelle oder innovative Weise herstellen. Von den 2016 5.301 US-Brauereien gehörten 5.234 dem Craft-Segment an, die sich in 3.132 Microbreweries, 1.916 Brewpubs und 186 Regional Craft Breweries untergliederten. Zusammen hatten sie einen Marktanteil von 12,3%. Diametral dazu waren 51 Großbrauereien und 16 weitere positioniert, von denen alleine Anheuser-Busch einen Marktanteil von knapp der Hälfte sein eigen nannte. In der jüngeren Vergangenheit wurden allerdings zahl- und ruhmreiche Craft-Brauereien von großen Konzernen aufgekauft oder zu einem erheblichen Teil übernommen. Anheuser-Busch InBev kaufte beispielsweise 10 Barrel Brewing, Elysian Brewing, Goose Island und Birra del Borgo. SABMiller, nunmehr auch Teil von AB InBev, übernahm die Meantime Brewing Company und Blue Moon, während Heineken sich die renommierte Brauerei Lagunitas einverleibte. Der letzte harte Schlag für die Craft-Bier-Enthusiasten war die Nachricht, dass das Urgestein Anchor Brewing künftig Teil des japanischen Konzerns Sapporo Breweries sein wird. Eine Entwicklung, die einerseits zeigt, dass auch die Craft-Brauereien mittlerweile in der wirtschaftlichen Realität angekommen sind, andererseits aber auch deren Bedeutung für den Markt unterstreicht. 
 Sierra Nevada und Neue Technologien 
 Nach allen Analysen von Branchenkennern wird sich der Ausverkauf der Craft-Brauereien in den USA in den nächsten Jahren noch weiter intensivieren. Der Pionier Sierra Nevada ist allerdings noch eigenständig und mit ca. 1,5 Millionen Hektolitern Jahresproduktion mittlerweile die siebtgrößte Brauerei der Vereinigten Staaten. 2009 präsentierte die Firma mit dem »Hop Torpedo« ein neues Gerät, das das Hopfenstopfen revolutionierte. Die Brauer füllen das zylindrische Gefäß mit 36 Kilogramm Hopfen und pumpen anschließend das Bier vom Gärtank bei 20° C immer wieder durch den Torpedo hindurch. Damit können nahezu 
 sämtliche Aromen der Hopfenöle ins Bier 
 gelangen. Das erste Bier, das so gebraut wurde, war das  „Torpedo Extra IPA“,  das auch heute noch als Meilenstein der hopfenaromatischen Biere gilt. In Erinnerung an ihre einstigen Vorbilder Charlie Papazian, Jack McAuliffe und Fritz Maytag sowie Fred Eckhardt, den ersten national bekannten Bierautor, präsentierte Sierra Nevada 2010 zu seinem 30. Jahrestag der Öffentlichkeit vier Biere, die jeweils mit einem der »Gründerväter« gebraut wurden – das Craft-Bier feierte zum ersten Mal seine Geschichte. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Alkoholfreies Bier</title>
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                 Die ersten Versuche, ein alkoholfreies Bier herzustellen, sind in Deutschland aus dem Jahr 1895 überliefert. Sie kamen entweder als „Malzgold“ oder „Reformbier“ (beide 1905) vor allem in Abstinenzwirtschaften zum Ausschank, oder wie das „Perplex“ der Flensburger Actienbrauerei (gegründet 1873, einer der beiden Vorläufer der heutigen Flensburger Brauerei) 1907 als Versuch im großen Stil, hatten dann aber nur ein kurzes Leben. Denn weder Geschmack noch Stabilität (Haltbarkeit und Klarheit) dieser mit gestoppter Gärung entstandenen Biere konnten überzeugen. 1919 stellten US-Brauer infolge der Prohibition ihr erstes Bier mit 0,5% Alkohol vor – nach den neuen Gesetzen galt dies als alkoholfrei, in Deutschland lag die Marke lange Zeit bei 0,1% Alkohol. 
 Doch nach dem Ende des Alkoholverbotes verschwanden auch diese US-Biere wieder vom Markt. Gegen Ende der 1930er-Jahre präsentierte schließlich die Schweizer Brauerei Gurten Bier AG aus Bern mit ihrem »Ex-Bier« das erste mittels Vakuumdestillation hergestellte alkoholfreie Bier, das aber wegen des Krieges und seiner Folgen kaum Verbreitung fand. 1962 startete Hans Hürlimann, Inhaber der gleichnamigen Brauerei in Zürich, ein eigenes Forschungsprojekt, das er aus Angst vor der Konkurrenz streng geheimhielt. Die aktuellen Unterlagen mussten stets in einem Banksafe verwahrt werden. Drei Jahre später führte er schließlich mithilfe seines Forschungsdirektors Steiner, eines Hefe-Spezialisten, sein erstes alkoholfreies Bier namens „Oro“ auf dem Schweizer Markt ein. Bei der Herstellung ließ eine spezielle Hefe kaum Alkohol entstehen, sodass der Alkoholgehalt unter 0,5% lag. Schon zwei Jahre später war Hürlimann auf dem gesamten Schweizer Markt präsent, 1968 folgte Deutschland, 1969 Österreich, 1970 Frankreich, 1971 England und 1972 die USA. Allerdings kam der Name des Biers nicht gut bei den Kunden an, weswegen ihn die Brauerei 1972 in „Birell“ änderte. 
 Währenddessen ließ die Entwicklung alkoholfreier Biere in Deutschland weiter auf sich warten, obwohl es einen handfesten Grund dafür gegeben hätte: Denn 1973 wurde die 20 Jahre zuvor eingeführte Promillegrenze für westdeutsche Autofahrer von 1,5 auf 0,8 Promille Blutalkohol herabgesetzt. Seit 2001 werden Fahrzeuglenkern nur noch 0,5 Promille zugestanden. Wer diesen Grenzwert am Steuer überschreitet, begeht auch ohne weiteres Vorkommnis eine Ordnungswidrigkeit, im Zweifelsfall ist der Führerschein passé. Viele osteuropäische Länder gingen sogar darüber hinaus und führten eine 0,0-Promille-Grenze ein. Diese Entwicklung blieb auch dem Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden nicht verborgen und der Wirtschaftsrat der DDR, wo ebenfalls eine 0,0-Promille-Grenze galt, dachte darüber nach, mit einem Bier für Autofahrer einen zusätzlichen Devisenbringer in das Sortiment der Autobahnraststätten aufzunehmen. Insbesondere am Hermsdorfer Kreuz, dem Dreh- und Angelpunkt des Transitverkehrs, sollte das neue Getränk zu kaufen sein. 
 Doch die Einführung war gar nicht so einfach. Schließlich liefen die DDR-Brauereien seit Staatsgründung mit Überlast, worunter die Qualität der Produkte deutlich litt. Ende der 1960er-Jahre ergab sich schließlich eine Gelegenheit. Tanks aus einer alten stillgelegten Brauerei wurden zur Berliner Engelhardt-Brauerei gebracht, um deren Kapazität zu erweitern. Um den dortigen Braumeister Ulrich Wappler wurde ein vierköpfiges Kollektiv gebildet, das die Aufgabe hatte, das erste deutsche alkoholfreie Bier mit maximal 0,5% Alkohol zu entwickeln. Über ein halbes Jahr studierte er Patente und Brauliteratur aus aller Welt, der direkte Kontakt mit Braumeistern aus dem Westen war ihm allerdings als Bruder von Republikflüchtlingen untersagt. Nach vielen Versuchen hatten Ulrich Wappler und seine Kollegen 1972 den ersten erfolgreichen Sud eingebraut und das Patent angemeldet. Das Bier hatte 7% Stammwürze, die Angärung wurde mit Glykol unterkühlt und gebremst, am Ende enthielt es sogar weniger als ein halbes Prozent Alkohol. 
 Perfekt war das Ergebnis noch nicht, umso mehr ärgerte es Wappler, dass einer seiner Kollegen während der ersten Tage der Leipziger Messe den Erfolg ausplauderte und so die DDR-Führung davon Wind bekam. Die befahl umgehend, noch während der Messe eine Präsentationsveranstaltung, was dem „AUBI“ (AUtofahrerBIer) von Anfang an einen schlechten Ruf verlieh. Denn das unfertige Ergebnis des Testsudes schmeckte noch stark nach Würze und konnte nicht viele Anhänger gewinnen. Die Kunde von Wapplers „Alkoholfreiem“ erreichte auch den Westen Deutschlands, wo bisher lediglich einige größere Brauereien Kooperationen mit Hürlimann zum Vertrieb von Birell eingegangen waren. 1975 konnte die Hümmer-Brauerei aus Dingolshausen bei Schweinfurt als erste ein eigenes alkoholfreies Bier vorstellen. Im gleichen Jahr folgten die Stuttgarter Sanwald-Brauerei mit ihrem »Pro-Bier« und die St. Martin-Brauerei aus Oberlahnstein mit »St. Martin Fit«. Diese ersten Versuche gerieten aber schnell ins Hintertreffen, als 1977 Henninger mit »Gerstel« und 1978 Binding mit »Clausthaler« auf dem deutschen Markt erschienen. 
 1981 verkauften die Brauereien der Bundesrepublik ca. 90.000 Hektoliter alkoholfreies Bier, davon 35% Birell, 29% Gerstel und 28% Clausthaler. 1986 präsentierte auch die irische Guinness-Brauerei mit ihrem obergärigen „Kaliber“ ein „Alkoholfreies“, um Berufstätigen in der Mittagspause folgenlosen Biergenuss bieten zu können. Wappler arbeitete unterdessen weiter an seinem Projekt, verbesserte Rezeptur und Herstellungsverfahren und taufte 1988 das AUBI in „Pilot“ um. Dieses Bier kam in der DDR wesentlich besser an und löste ein weiteres Problem des Staates. Denn in den Betrieben herrschte Alkoholverbot, aber die Hitzearbeiter in den Stahl- und Bergwerken sowie die Glasbläser wollten auf Bier während ihrer Arbeit nicht verzichten. Wapplers Bier hatte nur 0,5% Alkohol und war damit völlig unbedenklich für den Konsum in den Fabriken. Das AUBI hatte aber auch Interesse im Ausland geweckt und so lieferte die Stralauer Engelhardt-Brauerei ab 1986 „Foxy Light“ nach Michigan und „Berolina“ nach England. Im Herbst desselben Jahres krönte eine Goldmedaille der Leipziger Messe Ulrich Wapplers Arbeit. 
 Trotz der steigenden Nachfrage – die Jahresproduktion erreichte 1987 insgesamt 11.200 und zwei Jahre später 18.000 Hektoliter – waren keine weiteren Brauereien in der DDR für alkoholfreies Bier zu gewinnen, obwohl der Plan des Staates eine Kapazität von 100.000 Hektolitern dafür vorgesehen hatte. Denn die Bierverkaufspreise waren festgelegt. Während die Brauer ihr Pils für 1,28 Mark und ein jährliches Sonderbier gar für 1,60 Mark pro halben Liter verkaufen konnten, brachte eine Flasche AUBI oder Pilot nur 75 Pfennige. Es waren also durchaus kapitalistische Gründe, die dem alkoholfreien Bier in der DDR eine größere Karriere versagten. 1995 begannen US-Hobbybrauer, mit Rezepten für alkoholfreies Bier zu experimentieren, kurz danach brachte Erdinger das erste alkoholfreie Weizen auf den Markt und entdeckte gemeinsam mit der Universität in Weihenstephan dessen isotonische Eigenschaften. Ein neues Sportlergetränk war geboren. 
 Biere bis 0,5% Alkoholgehalt dürfen als alkoholfrei bezeichnet werden. Nachdem beispielsweise Fruchtsäfte durch natürliche Gärung bis zu 1% Alkohol enthalten können, muss der Alkoholgehalt bei allen anderen Getränken außer Bier erst ab 1,2% angegeben werden. Nur komplett alkoholfreie Getränke dürfen die Bezeichnung „ohne Alkohol“ führen. 2006 revolutionierte deshalb die Warsteiner Brauerei das Thema mit dem ersten nullprozentigen Bier, Bitburger folgte ein Jahr später. Auch die Craft-Bier-Welt begann mit mutigen Schritten: 2010 präsentierte BrewDog in England sein alkoholfreies IPA „Nanny State“, sechs Jahre später zogen das Brauhaus Nittenau und die Hamburger Kreativbrauerei Kehrwieder in Deutschland mit ihrem alkoholfreien Gemeinschafts-IPA „üNN“ bzw. „Le Chauffeur FreIPA“ nach. 
 Alkoholfreies Bier entsteht heute entweder nach Wapplers Methode der gestoppten Gärung – vor allem alkoholfreies Weißbier – oder bei der Vakuumverdampfung. Hier fließt normal gebrautes Bier durch einen senkrecht stehenden beheizten Zylinder, in dem Unterdruck herrscht. Dadurch sinkt der Siedepunkt und der Alkohol beginnt bereits bei ca. 40° C zu verdampfen. Ab 78° C kann er herausdestilliert werden, wobei allerdings auch aromaprägende Inhaltsstoffe verloren gehen. Das modernste Verfahren ist die Vakuumrektifikation. Hier werden Alkohol und Bier wie im Verstärker einer Brennerei in mehreren Schritten getrennt. Bei Unterdruck strömt normales Bier von unten in die Anlage, wird erwärmt, verdampft und kondensiert an höher gelegenen Böden. Von Stufe zu Stufe erhöht sich der Alkoholgehalt, bis er am Ende abgeleitet werden kann. Die ebenfalls entzogenen Aromen können am Ende dem entalkoholisierten Bier wieder zugesetzt werden. Alkoholfreies Bier macht über 5% des deutschen Biermarktes aus, die Tendenz ist steigend. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Craft Beer Europa</title>
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                 Im Krieg hatte Bier noch seine Rolle als Grundnahrungsmittel erfüllt – die Versorgung von Truppe und Bevölkerung hatte in fast allen Krieg führenden Ländern höchste Priorität. Danach aber entwickelte es sich auch in Europa mehr und mehr zum allzeit verfügbaren Konsumprodukt, bei dem weniger der Geschmack, sondern letztendlich nur noch der Preis und die Rendite zählten. Der Siegeszug der großen „Fernsehmarken“, die TV-Werbepartner von Bundesliga und Formel 1 wurden, schien in den 1960er- bis 1980er-Jahren unaufhaltsam. Doch spätestens nach der Wiedervereinigung besannen sich die deutschen Verbraucher auf ihre regionalen Marken, und Gasthausbrauereien schossen wie Pilze aus dem Boden. Den Gipfel dieser Entwicklung stellen mit Sicherheit die Craft-Brauer dar, welche die Bierwelt gehörig durcheinandergewirbelt haben und eine Internationalisierung der Bierstile nach sich gezogen haben: Konnte man sich in den 1990er-Jahren noch sicher sein, dass ein IPA aus England oder den USA, ein Weizen aus Deutschland oder ein Dubbel aus Belgien stammte, so gleicht die heutige Brauereiwelt dem oft zitierten globalen Dorf. 
 Während die Craft-Brauer in den USA ab den 1970er-Jahren für Furore zu sorgen begannen, erlebten die meisten anderen Nationen der Welt eine immer stärkere Konzentration ihres Biermarktes, der von der Dominanz untergäriger, meist heller Biere geprägt war. Am Ende standen meistens zwei Großkonzerne mit großem Abstand an der Spitze der jeweiligen nationalen Brauereien. Lediglich in Deutschland waren es vier „Große“, die mit Millionen Hektolitern um die Gunst der Konsumenten kämpften, während über die Hälfte der Unternehmen eine sehr kleine Jahresproduktion von unter 5.000 Hektolitern aufwiesen. Am Ende ging eine Schere auf mit Großbrauereien einerseits, die über 100 000 Hektoliter pro Jahr brauten, und Kleinbetrieben mit weniger als 20 000 Hektolitern auf der anderen Seite. Der klassische Mittelbau war weggebrochen. Dieser Trend verstärkte sich noch durch eine Gründungswelle traditioneller Gasthausbrauereien mit dem Sortiment Hell/Dunkel/Weizen ab den 1980er-Jahren. Die aggressive Werbestrategie der Großbrauer prägte den Begriff der „Fernsehbiere“ und die nicht minder harte Preispolitik ließ bisherige Premiumbiere zu Ramschartikeln werden, die fast nur noch über Aktions-Verkäufe in den Getränkemärkten über die Ladentheke gingen. In allen Ländern Europas war die Anzahl der Brauereien rückläufig, und die Prognosen für die Zukunft sahen düster aus. 
 Der Bierautor Michael Jackson hatte 1977 die Erstausgabe seines Buches „The World Guide to Beer“ veröffentlicht, seine Bücher gelangten auch über den Atlantik und fanden rege Aufnahme in den Reihen der CAMRA-Mitglieder in Großbritannien und später ganz Europa. So erreichte die Idee, in Bier wieder mehr zu sehen als lediglich einen günstigen leicht alkoholischen Durstlöscher, auch eine zunehmende Zahl von Brauern und Hobbybrauern in der Alten Welt. Dennoch kursierten in den USA Witze wie „German Beer is like a dead Rabbit – no Hops!“ Die wohl erste europäische „Craft-Brauerei“, die auch heute noch von Bedeutung ist, gründete der Italiener Agostino Arioli in dem 3000-Seelen-Ort Lurago Marinone in der Lombardei. Die italienische Bierwelt hatte – ganz in der Tradition der alten Römer – im 20. Jahrhundert wenig zu bieten, der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier lag bei einem Liter pro Jahr! Lediglich österreichische Unternehmer hatten zur Zeit der k.u.k.-Monarchie einige lokale Brauereien gegründet, die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in italienischen Besitz übergingen oder Firmenneugründungen als Vorbild dienten. In den 1990er-Jahren dominierten schließlich zwei Großbetriebe den Markt, die ein untergäriges, helles, leicht bitteres Bier herstellten – Peroni und Moretti. 
 Erst 1995 legalisierte das italienische Parlament das Hausbrauen und ermöglichte so die Entstehung neuer Kleinbrauereien. Schon als Schüler hatte Agostino Arioli vom Bierbrauen geträumt und während seines Braumeisterstudiums schließlich entstanden die ersten kreativen, damals noch illegalen Sude in den eigenen vier Wänden. Nach einigen Praktika in deutschen Brauereien und einer Studienreise zur kanadischen Microbrewery Granville Island Brewing in Vancouver nutzte „Ago“ die neue Gesetzeslage und eröffnete Anfang April 1996 den ersten Brewpub Italiens mit dem Namen „Nuovo Birrificio Italiano“. In dem 200-Liter-Sudwerk entstand unter anderem das „Tipopils“, ein Pils mit deutschen Rohstoffen, aber intensiven Aromahopfennoten – bis heute das Flaggschiff von Birrificio Italiano. Weitere Kreationen wie das „VuDù“, ein dunkles Weizenbier mit englischem Hopfen, und das „Cinnamon Bitter“ in der Tradition britischen Real Ales folgten und legten den Grundstein für die entstehende Bier-Philosophie des ganzen Landes. Im Gegensatz zum US-amerikanischen Craft-Bier zeichnen sich die italienischen Biere vor allem durch hohe Harmonie, Komplexität und Eleganz aus. 
 Als Erster in Deutschland präsentierte Oliver Lemke in Berlin selbstgebrautes Craft-Bier der Öffentlichkeit. Der gelernte Brauingenieur hatte nach seinem Studium Brauereien in der gesamten Welt gebaut und war somit auch intensiv mit der US-Bierszene in Berührung gekommen. Voller Enthusiasmus eröffnete er deshalb im November 1999 unter einem S-Bahn-Bogen am Hackeschen Markt sein Brauhaus Lemke und bot in den ersten sechs Monaten über 50 verschiedene selbst gebraute Biere an. Die Kunden konnten die Spezialitäten sogar abgefüllt als Flaschenbier erwerben. Doch Lemke war seiner Zeit voraus. Aromaintensive Biere interessierten zum Millenium in Berlin noch niemanden und so konnte er die Pleite nur vermeiden, indem er nur ein Jahr später auf eine klassische Gasthausbrauerei mit Hellem, Braunbier und Pils umstellte. Es sollte über ein Jahrzehnt dauern, bis Oliver Lemke sich wieder an aromatischere Biere herantraute und die Palette seiner Berliner Brauerei auch ein hopfengestopftes India Pale Ale umfasste. Der Mut wurde dann aber umgehend mit einer Goldmedaille bei den World Beer Awards 2015 belohnt, viele weitere Auszeichnungen sollten folgen. 
 Während einer der ersten Craft-Versuche in Berlin also noch scheiterte, wagten sich ein Amerikaner und ein Deutscher im Todesjahr Michael Jacksons 2007 an ein ganz besonderes Experiment. Georg Schneider, Inhaber der Weißbierbrauerei Schneider in Kelheim, wollte die „Wiesn-Weiße“ wiederbeleben und entdeckte bei der Rekonstruktion des Rezeptes, dass dieses Bier immer am Ende des Hopfenjahres eingebraut wurde – also mit einem ungefähr ein Jahr alten Hopfen. Dieser wies ein leichtes Zitrusaroma auf, das Schneider in seiner Wiesn-Weiße haben wollte. Nachdem heutzutage aber kaum mehr alter Hopfen zu bekommen ist, erwies sich das Unterfangen als schwierig, bis ein Zufall weiterhalf. Schneider war mit seinem Braumeister Hans-Peter Drexler in den USA und die beiden probierten ein India Pale Ale der Brooklyn Brewery, das ein kräftiges Zitrusaroma hatte. Am nächsten Tag wurden sie bei deren Braumeister, Garrett Oliver, vorstellig und fragten nach dem Geschmacksgeheimnis des Bieres. Die Antwort war denkbar einfach: Oliver verwendete Cascade-Hopfen, eine Sorte, die in Europa bis dato kaum bekannt war. Schneider besorgte sich den Hopfen über viele Umwege und schuf so seine neue Wiesn-Weiße. 
 Zusätzlich hierzu wollten Oliver und Drexler ihr Können messen – mit einem Bier, das die besten Eigenschaften beider Brauereien vereinte und mit derselben Rezeptur, aber unterschiedlichen Ausgangsstoffen gebraut wurde. Bei diesem spannenden „Collaboration Brew“ (Gemeinschaftssud) in Kelheim und New York kam ein Weizendoppelbock mit intensiver Kalthopfung wie bei einem India Pale Ale heraus: die „Hopfenweiße“, in Anlehnung an den englischen Begriff Tap (Zapfhahn) bzw. die Taphouses (Kneipen) heute immer noch als „TAP 5“ im Sortiment der Weißbierbrauerei. Als die ersten deutschen Konsumenten und Schneiders Kollegen dieses Bier probierten, war das Staunen groß – und die Craft-Botschaft auch hierzulande angekommen. 
 Ebenfalls 2007 gründeten James Watt und sein bester Freund Martin Dickie im schottischen Fraserburgh die Brauerei BrewDog. Die beiden hatten 2004 Michael Jackson getroffen und sich von ihm inspirieren lassen, Hobbybrauer zu werden. Der „Beer-Hunter“ verkostete beim nächsten Treffen die ersten Versuche der Freunde und riet ihnen, ihre Jobs an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen und eine Craft-Brauerei zu eröffnen. Aus den 30 000 Pfund Startkapital machten Watt und Dickie in weniger als zehn Jahren die am schnellsten wachsende Brauerei des Vereinigten Königreiches mit heute mehr als 200 000 Hektolitern Jahresproduktion, eigenen Bars in allen Ecken der Welt und einem Firmenwert von über einer Milliarde Pfund. 
 In Dänemark hatten sich der Gymnasiallehrer Mikkel Borg Bjergsø und sein Jugendfreund, der Journalist Kristian Klarup Keller, schon 2005 zusammengetan, um in ihren jeweiligen Küchen Bier zu brauen. Die Ergebnisse sorgten auf Hobbybrauer-Wettbewerben für Begeisterung und so entschlossen sich die beiden, 2006 das gemeinsame Unternehmen „Mikkeller“ zu gründen. Schon ein Jahr später verließ Keller jedoch die Firma, und Bjergsø begann, sich als einer der ersten „Gypsy-Brewer“ in Brauereien einzumieten, um dort jeweils seine Rezepturen umzusetzen. 2009 gab er seine Stelle als Lehrer auf und wurde der berühmteste „Wanderarbeiter“ der Welt. Seine Biere stehen in über 40 Ländern in den Geschäften und seit 2016 ist Bjergsø stolzer Besitzer zweier Brauereien in San Diego und New York. 
 Diese kurzen Einblicke zeigen, wie der Wandel spätestens ab 2007 in der deutschen, aber auch gesamteuropäischen Bierwelt Einzug gehalten hat. Die Einstellung sowohl der Brauer als auch der Verbraucher begann sich damals zu wandeln. Es ging nicht mehr darum, das massenkompatibelste Bier herzustellen, sondern die jeweiligen Besonderheiten und Entstehungsgeschichten in den Vordergrund zu stellen. Die Brauereien fingen an, verschiedenste Bierstile, unabhängig von der jeweiligen Brautradition ihres Landes oder ihrer Region, herzustellen. Die Konsumenten entwickelten eine zunehmende Bereitschaft, etwas mehr Geld auf den Tisch zu legen, wenn das Produkt stimmte. Brauer hatten auf einmal echte Fans und regionales Bier kleiner Brauereien gab Menschen wieder ein Gefühl von Heimat. Diese Entwicklung führte außerdem dazu, dass Brauen wieder „sexy“ wurde. Die nachfolgenden Generationen in den Familienbetrieben bekamen entgegen früherer Tendenzen wieder Lust, das elterliche Unternehmen weiterzuführen, und gingen auf die Braumeisterschule – so ist mittlerweile das Brauereisterben in Deutschland gestoppt. 
 Nach einem Tiefpunkt mit 1273 Brauereien im Jahr 1997 stieg die Zahl bis heute wieder auf über 1.400 an. In den meisten Ländern Europas war der Nachholbedarf jedoch deutlich größer. In Großbritannien gab es 1978 noch 75 Brauereien, 2006 waren es bereits wieder 745 und heute sind es knapp 2.000. Andere klassische Bierländer legten ebenfalls deutlich zu: Belgien (heute 230 Brauereien), Tschechien (400) und die Niederlande (320). Und auch Länder, die bisher keine Rolle auf dem Biermarkt gespielt hatten, verfügen jetzt über eine lebendige Bierszene: Finnland (100), Frankreich (800), Italien (700), Portugal (70), Spanien (430) und Schweden (220). Dabei sind es in den einzelnen Ländern durchaus unterschiedliche Bevölkerungsschichten, die den Weg zum Bier gefunden haben. So ist in Frankreich Bier das Getränk der Jugend, die sich so von den Wein trinkenden Eltern abgrenzen will, in Italien genießen gerade Frauen Bier – und gerne mit vom Wein bekannten hohen Alkoholgehalt. 
 In Deutschland sind die Biertrinker nach wie vor eher älter und männlich, während die Finnen ihr Bier sogar mit in die Familiensauna nehmen. Bei den Bierstilen sind es bei Weitem nicht nur die wiederentdeckten englischen Biere, die in der neuen Bierwelt für Begeisterung sorgen. In allen europäischen Ländern, vor allem im Norden, werden vermeintlich verloren gegangene Bierstile und deren Herstellungsverfahren wiederbelebt. Gute Beispiele sind Sahti (Finnland), Grodziskie/Grätzer (Polen), Keptinis (Litauen), Gruitbier (Niederlande) und viele deutsche Biere wie Broyhan, Gose, Adambier, Lichtenhainer, Berliner Weiße, Mumme etc. Hierbei geht es oftmals nicht nur um die exakte Reproduktion, sondern auch um neue, kreative Rezepturen unter Verwendung der Vorbilder aus alten Zeiten. 
 Die Craft-Bier-Begeisterung erweiterte den europäischen Biermarkt vor allem um neue Aromen und ein neues Bierbewusstsein, das alle Akteure vom gestandenen Braumeister über den begeisterten Konsumenten bis zum Biersommelier und Hobbybrauer erfasst hat. Für den im Schrumpfen begriffenen Markt war die Möglichkeit, neue, bisher für Bier unerreichbare Kundengruppen zu gewinnen, immens wichtig. Waren es in Frankreich die Jungen und in Italien die Gourmets, gerieten in Deutschland vor allem Weintrinker, Spirituosenliebhaber und Frauen in den Fokus. Als Imageträger hat das Craft-Bier bereits heute den europäischen Biermarkt und vor allem die Perspektive der Konsumenten auf das Bier erheblich verändert. Bier ist wieder zeitgemäß und in aller Munde. Selbst die Lufthansa, die mittlerweile 1,6 Millionen Liter Bier pro Jahr über den Wolken ausschenkt, setzt auf Craft-Bier und verkauft sogar Verkostungsgläser in ihrem Shop. 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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            <title type="text">Die Geschichte von India Pale Ale</title>
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                 Das India Pale Ale – kurz „IPA“ genannt – ist die Bierstil-Ikone der Craft Beer Bewegung der USA. Denn auf der Suche nach dem möglichst aromatischen, weit vom Mainstream „Near Water Beer“ entfernten Bier entdeckten die Hopheads, auf Deutsch am ehesten mit „Hopfenjünger“ zu übersetzen, dieses historische Bier für sich. Es gibt kaum eine Newcomer-Brauerei, die nicht mindestens ein IPA in ihrem Sortiment hat, meist mit möglichst exotischen Hopfen gestopft und mit spannenden Namen. Das Hopfenstopfen, englisch „Dry Hopping“ hat eigentlich eine zutiefst historische, europäische Tradition. Denn bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war es üblich, dem Bier sowohl zur Aromatisierung, als auch zur Erhöhung der Haltbarkeit zusätzlichen Hopfen im Lagergefäß zu geben. Das haben die Hopheads wiederentdeckt und zur Perfektion gebracht. Die Brauereimaschinenhersteller brachten mittlerweile sogar eigene Gerätschaften auf den Markt, um das Hopfenaroma nach dem Würzekochen zu intensivieren. Am bekanntesten ist dabei sicherlich der „Hopfentorpedo“ von Sierra Nevada, der für das damit gebraute „Torpedo IPA“ genutzt wird. 
 Dadurch ist es möglich, dem IPA neben einer frischen Hefenote und honigaromatischen Malztönen vor allem intensivste Hopfenaromen zu verleihen. Egal ob Mango, Grapefruit, Ananas, Papaya oder Litschi, es gibt kaum eine Tropenfrucht, die nicht über den Hopfen Eingang in ein IPA gefunden hat. Doch mit neuen Hopfensorten finden sich auch Erdbeere, Heidelbeere oder Aprikose im Bier, andere Hopfensorten steuern blumige oder kräutrig-harzige Noten bei. Die kräftigen Hopfenaromen bedeuten allerdings auch immer eine sehr präsente Bittere, die für ungeübte Gaumen durchaus eine Herausforderung darstellt. Die meisten Biertrinker lernen das aber schnell lieben und freuen sich auf jedes neue IPA. Es gilt einfach nur: Probieren! 
 Doch zurück zum IPA und seiner Geschichte. Wie bereits im Artikel über die jüngere Schwester des IPA, das moderne Pale Ale, ausgeführt, entwickelte sich das „helle“ (pale) Bier erst allmählich im 17. Jahrhundert. Helles Malz war vor der Erfindung der modernen Mälzerei extrem teuer, und so war das helle Bier der bürgerlichen Oberschicht vorenthalten. Der Hopfen als Biergewürz war im 15. Jahrhundert mit holländischen Einwanderern nach England gekommen und setzte sich nach und nach als Bierzutat durch. Die Politik reagierte, erhöhte die Zölle für importierten Hopfen (1655) und legte den Hopfen als einziges Biergewürz fest (1710). In 14 Counties entwickelte sich der Hopfenanbau, wobei die Grafschaft Kent – mit über 35.000 acres um 1800 – eine führende Rolle einnahm. 
 Das Malz ergab durch die damaligen Mälzungsmethoden in der Regel ein braunes bis schwarzes Bier. Neben Gerste fanden auch Hafer, Weizen, Mais, Bohnen, Erbsen, Hirse und andere Getreidesorten Verwendung. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts begannen die Mälzereien, Koks als Brennstoff einzusetzen. Dadurch verschwand erstens der Rauch aus dem Malz und zweitens ließ sich die Temperatur wesentlich besser kontrollieren. Innerhalb weniger Jahrzehnte schafften es die Mälzer, kontrolliert und zu einem vernünftigen Preis helles Malz herzustellen. 
 Mit der Verfügbarkeit von Hopfen und hellem Malz, beides zu einem guten Preis, waren die Voraussetzungen für die Entwicklung eines massentauglichen hellen Bieres geschaffen. Pale Ales, also helle Biere, entstanden auf der gesamten Insel, und mit dem „October Beer“, gebraut im Oktober und November, gab es sogar ein erstes helles Starkbier. Gebraut wurde bis zur „Erfindung“ des Nachgusses durch schottische Brauer Ende des 18. Jahrhunderts, in der Regel in vier Schritten. Dieselbe Menge Getreide/Malz wurde viermal nacheinander eingemaischt und damit immer mehr ausgelaugt. Das Ergebnis waren vier Würzen mit deutlich unterschiedlichem Zuckergehalt. Damit stellen die Brauer entweder vier verschiedene Bier eher oder mischten die Würzen, um die gewünschte Stärke zu erhalten. 
 Das India Pale Ale war grundsätzlich ein für den Export gedachter Bierstil, weswegen wir auch noch einen Blick auf das Thema Bierexport werfen müssen. Auf dem Kontinent war der Export von Bier eine völlig normale Sache, so war Bier beispielsweise eines der Hauptexportgüter der Hansestädte, die es bis nach London verschifften. Für die englischen Brauer hingegen begann der Bierexport erst mit den ersten Kolonisten, die nach Amerika segelten. Denn ihren Durst stillten die Menschen seit Jahrhunderten mit zwei Getränken: Wein und Bier. Wasser, gleich aus welcher Quelle, war oft verschmutzt oder gar verseucht und führte zu schweren Erkrankungen. Also lernte bereits ein Kleinkind den einfachen Satz „Wasser trinkt man nicht“. Nachdem Wein sehr teuer war, blieb dem normalen Bürger nur das Bier, und hier entwickelte sich eine breite Vielfalt. Für die Menschen war es ein gleichsam „magischer“ Prozess, wie die Brauer untrinkbares Wasser bei ihrer Arbeit in trinkbares, bekömmliches Bier verwandelten. Das Kochen der Würze erfolgte wegen des Aromas. Dass man damit auch die Bakterien des Wassers abtötete, ist eine Entdeckung des 19. Jahrhunderts. Deswegen kam niemand auf die Idee, Wasser abzukochen. 
 Also war es klar, dass ein großer Teil der Ladung der Schiffe, die nach Neuengland fuhren, also auch der „Mayflower“, die die Pilgerväter 1620 zum Cape Cod brachte, aus Bierfässern bestand. War das Bier aufgebraucht, standen die Siedler vor einem Problem – es gab nichts zu trinken. Also war das Brauhaus neben Kirche und Rathaus eines der ersten Gebäude, die in jeder neuen Siedlung entstanden. Bis zur erfolgreichen Kultivierung von Getreidesorten (anfangs Roggen, aus dem sich dann auch der erste amerikanische Whisky entwickelte) nutzten die Neuankömmlinge alles, was sich aus der Natur Nordamerikas zum Brauen eignete. Dazu gehörten auch Eicheln und der von den Eingeborenen gelieferte Mais. In der Folge entwickelte sich ein reger Handel mit den neuen Kolonien, der Bier aus dem Mutterland im Austausch gegen Holz und andere Waren der Neuen Welt nach Amerika brachte. Erst die Revolution 1775/6 führte dazu, dass die Amerikaner das heimische Bier dem importierten englischen vorzogen, und der Aufschwung der US-Brauereien begann. 
 All diese Informationen sind wichtig, um die Entstehung des India Pale Ales, um das sich mittlerweile viele Mythen ranken, ins historisch richtige Licht zu rücken. Kommen wir also zum Indienhandel, dem Ursprung des Namens unseres Bierstiles. In der Folge holländischer Kaufleute gründeten die Engländer 1600 ihre eigene East India Company, die in den ersten 100 Jahren ihrer Existenz das Monopol auf den Handel mit den reichen Ländern des Subkontinents erringen konnte. Um 1700 waren mehr als 70 als „East Indiamen“ bekannte Schiffe unterwegs, um die exotischen Waren aus Indien nach England zu bringen. Das Geschäft brachte riesige Profite, allerdings war der Weg zurück ein Trauerspiel. Es gab nahezu nichts, was man aus dem Mutterland gewinnbringend in die kleinen Kolonien nach Asien liefern konnte. Die Offiziere der Schiffe erhielten das Recht, jeweils 50 Tonnen des leeren Schiffsraums für eigene Geschäfte auf diesem wenig spannenden Rückweg zu nutzen. Unweit des Hauptquartiers der East India Company in London am Zusammenfluss von River Lea und Themse lag die Bow Brewery, 1752 von George Hodgson gegründet. Wie die meisten anderen Londoner Brauereien hatte sich Hodgson auf Porter und October Beer spezialisiert und brachte es schnell auf eine jährliche Produktion von über 10.000 Barrels Bier. Der schlaue Brauer kam schließlich auf die Idee, einen Handel mit den Schiffsoffizieren einzugehen. Er gab ihnen sein Bier auf Kommission mit, was bedeutete, dass sie es nach bei ihrer Rückkehr bezahlen mussten. 
 Sobald eine andere Brauerei versuchte, in das lukrative Indiengeschäft einzusteigen, unterbot Hodgson deren Preise oder sorgte anderweitig dafür, dass sein Bier das einzige auf den East Indiamen blieb. Auf diese Weise erreichte er bald eine Monopolstellung und lieferte um 1800 über 9.000 Barrels Bier nach Indien. Zum Vergleich: Der Bierhandel zur selben Zeit mit Nordamerika hatte ein Volumen von ca. 70.000 Barrels, im Handel mit Europa waren es ca. 14.000 Barrels und mit Afrika immerhin knapp 1.000 Barrels. Die Herausforderung bei der Reise nach Indien (im Gegensatz zur relativ einfachen Fahrt nach Nordamerika) war, dass die Schiffe bis zum Bau des Suez-Kanals ganz Afrika umrunden mussten, um zum Subkontinent zu gelangen. Das bedeutet eine mindestens dreimonatige Reise, die zweimal durch fast alle Klimazonen der Erde führte. Normale Biere überstanden diese Umstände nicht immer gut und wurden teils ungenießbar. Also mussten die Brauer einen geeigneteren Bierstil (er)finden. 
 Über die genaue Beschaffenheit der ersten nach Indien exportierten Biere gibt es mehrere Theorien. Ray Daniels geht in seinem Buch „Designing Great Beers“ davon aus, dass einerseits eine ordentliche Menge Hopfen, sowohl beim Brauen, als auch als Vorlage in den Fässern genutzt wurde. Andererseits wurde seiner Meinung nach die Stammwürze eher reduziert, also ein alkoholärmeres Bier hergestellt. Der Hintergrund war, dass der Vergärungsgrad seinerzeit nicht sehr hoch war, also viel Restzucker in den üblichen Bieren verblieb. Der war die ideale Nahrung für Bakterien aller Art. Mit weniger Malz und einer längeren Gärung sollen die Brauer laut Daniels den Vergärungsgrad deutlich erhöht und damit das Bier widerstandsfähiger gegen Infektionen gemacht haben. Der Umstieg auf kräftigere Biere soll erst mit der Übernahme des Indiengeschäfts durch die Brauereien aus Burton erfolgt sein. Diese kamen aus der klösterlichen Brautradition und waren es gewohnt, ihre Biere durch höhere Alkoholgehalte haltbar zu machen. Zusammen mit der deutlich höheren Hopfengabe brauten sie später dann das kräftige IPA. Andere Autoren, wie beispielsweise Mitch Steele, gehen davon aus, dass es eine direkte Verbindung zwischen den October Bieren und anderen „Stock Ales“ auf dem Weg zum IPA gegeben hat. „Stock Ale“ wurde in der Regel mehrere Jahre gelagert, bevor es ausgeschenkt wurde. Laut Steele verschifften es die Engländer bereits nach einem Jahr Lagerzeit auf der Insel nach Indien, wo es – die Reise beschleunigte die Reifung durch Wärme und Bewegung – dann in einem guten Zustand ankam. In jedem Fall dürften die Biere bei der Ankunft in Indien eine Brettanomyces-Note gehabt haben. Die erste Erwähnung der Bezeichnung „India Pale Ale“ in England stammt übrigens aus einer Anzeige der Hodgson-Brauerei in der Tageszeitung „Liverpool Mercury“ vom 30. Januar 1830, also über fünf Jahrzehnte nach Beginn des Bierexportes nach Indien. Besonders hervorgehoben wurde die Verwendung von „Finest East Kent Hops“ für dieses „High Character Beer“. Schon zwei Jahre zuvor erwähnte eine indische Zeitung namens „Bengal Hukaru“ ein „new beer, India Pale Ale“. Hodgson hat zwar niemals die Erfindung eines speziellen Bierstils für sein Indiengeschäft für sich reklamiert, aber möglicherweise zwang die Konkurrenz aus Burton den Londoner Brauer dazu, einen eigenen Namen für sein spezielles Indien-Bier zu „erfinden“. In einer Anzeige von 1822 schreibt Hodgson sein Indien-Export-Bier noch als „Finest October brewed Ale“. Auf jeden Fall handelte es sich um ein helles Bier, für das ausschließlich helles Malz verwendet wurde. 
 Hodgson verlor sein Monopol Anfang des 19. Jahrhunderts an die Burton-Brauer (siehe Artikel zum Pale Ale), und deren prominenteste Vertreter Bass und Allsopp übernahmen das lukrative Indiengeschäft. In der Folge avancierte der Name Burton zum Synonym für gute Biere, wie auch ein zeitgenössisches Gedicht von A. E. Housman zeigt: 
  Say for what were hopyards meant.  
  Or why was Burton built on Trent?  
  Oh many a peer of English Brews  
  Livelier liquor than the muse,  
  And malt does more than Milton can  
  To justify God’s ways to man.  
  Ale, man, ale’s the stuff to drink  
  For fellows whom it hurts to think.  
 Im Zuge der Verbreitung der Eisenbahn in England gelangte das neue Pale Ale ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in alle Winkel des 1707 vereinigten Königreiches. Damit wurde das IPA das Bier des Eisenbahnzeitalters auf der Insel. Um 1870 produzierten alleine am Eisenbahnknotenpunkt Burton 26 Brauereien India Pale Ales für den britischen Markt. Bass, die größte Brauerei der Welt, stellte mehr als eine Million Hektoliter Bier her, hatte 2.250 Mitarbeiter und lagerte gemeinsamt den anderen Brauereien der Stadt ca. 100.000 Barrels Bier in einem riesigen, dreigeschossigen Bierlager. 
 Die Ankunft des deutschen Lagerbieres, die beginnende Mäßigungsbewegung und später Kriege und Weltwirtschaftskrise beendeten sukzessive die Hochzeit des IPA. Hopfendosierung und Stammwürze erreichten um 1960 einen Tiefpunkt, von dem sich das englische Ale erst durch die CAMRA und später der Einfluss der Craft Bier Bewegung wieder langsam erholen sollte. 
 Deswegen lohnt ein Blick über den großen Teich, um die Entwicklung des modernen IPA, wie wir es heute kennen, zu verfolgen. Die amerikanische Bierwelt hatte mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Brauereien deutscher Einwanderer und der daraus resultierenden untergärigen Revolution im Laufe des 19. Jahrhunderts nur noch wenig traditionelle englische Bierstile zu bieten (siehe Artikel zu den Pre-Prohibition Bieren). Mäßigungsbewegung und schließlich Prohibition taten ihr Übriges, um den US-Biermarkt auf ein „Near Water Beer“ zu reduzieren. 1980 brauten die zehn größten Brauereien des Landes 93% des gesamten in den USA hergestellten Bieres. Dieses Bier war ein untergäriges strohgelbes Bier mit weniger als 15 Bittereinheiten. Das einzige verbliebene IPA war das der Ballantines Brauerei, die aber in den 1960er Jahren verkauft worden war und seitdem auch bei ihrem IPA Stammwürze und Hopfengabe kontinuierlich reduzierte, wodurch das Bier bald nicht mehr seinem Bierstil entsprach. Mit der Übernahme der insolventen Anchor Brewing in San Francicso durch Fritz Maytag startete die Craft Beer Revolution der USA. Maytag brachte ausgehend vom „Anchor Steam Beer“ als erster traditionelle englische Bierstile wie Porter, Barleywine („Old Foghorn“) und schließlich India Pale Ale („Liberty Ale“) zurück auf den Markt. Mit über 40 Bittereinheiten und der ausschließlichen Verwendung des relativ neuen Cascade-Hopfens setzte es Maßstäbe in der Bierwelt der 1970er und 1980er Jahre. Auch wenn Maytag das Liberty Ale nie als IPA bezeichnete, war es doch der erste moderne Vertreter des Bierstiles in den USA – möglicherweise der Trauer des Brauers um das von ihm sehr geschätzte Ballantine IPA geschuldet. 
 Die nächste US-Brauerei mit einem IPA war Sierra Nevada, die 1981 ihr „Celebration IPA“ auf den Markt brachte. Gründer Ken Grossman betrieb seit 1960 einen regen Handel mit Hopfen aus dem Yakima Valley, was seiner Brauerei einen einfachen Zugriff auf nahezu alle verfügbaren Hopfensorten der USA ermöglichte. Auch er verwendete für das „Celebration IPA“ und sein „Sierra Nevada Pale Ale“ den neuen Cascade-Hopfen, dessen intensive Zitrus- und Grapefruit-Aromen die Konsumenten begeisterten. Grossman und Maytag reisten bald auf die Britischen Inseln und holten sich in den Archiven Inspirationen und Knowhow für ihre weiteren Kreationen. 
 Der erste US-Brauer, der den Namen „IPA“ nutzte, war Bert Grant, der als Kind mit seinen Eltern aus Schottland eingewandert war. Er braute 1983 in Yakima sein „Grant’s India Pale Ale“, hergestellt mit Galena- und Cascade-Hopfen. Mit 12 % Stammwürze und 5% Alkohol hatte es deutlich mehr als 50 Bittereinheiten und war damit das wohl hopfenaromatischste Bier seiner Zeit. Der berühmte Bierautor Michael Jackson erinnert sich an seinen ersten Schluck dieses Bieres: „I was just stunned by the bitterness of it. I thought, Christ, he’s really going to do this. Bert really expects peoply to buy this?“ 
 Damit war der Startschuss für eine einzigartige Karriere eines Bierstiles erfolgt. Nahezu alle der aktuell ca. 5.000 amerikanischen Craft Brauereien folgten ihren Pionieren und brauten eigene Interpretationen des IPA. Auch wenn mittlerweile andere Bierstile das IPA als Trendbiere abgelöst haben, bleibt es doch mit Abstand das Bier mit dem größten Anteil am Craft-Bier-Markt und ist für viele Einsteiger der Beginn für die Reise in die schöne neue Welt der aromastarken Biere. Deswegen gebührt ihm eine tiefe Verbeugung eines jeden echten Bierliebhabers… 
   Autor:    Markus Raupach      
  Fotograf, Journalist, Bier- und Edelbrandsommelier  
  Ausgezeichnet mit der Goldenen Bieridee 2015  
  copyright © Bier-Deluxe GmbH  
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